Flexible und mobile Bildungsangebote gefragt Digital produzierende Betriebe investieren häufiger in Weiterbildung

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In Zeiten von Digitalisierung wird Weiterbildung für viele Unternehmen immer wichtiger. Mobile und flexible Formate sind gefragt. An Hochschulen und an vielen Bildungsinstituten dominieren noch klassische Präsenzkurse. Symbolbild: dpaIn Zeiten von Digitalisierung wird Weiterbildung für viele Unternehmen immer wichtiger. Mobile und flexible Formate sind gefragt. An Hochschulen und an vielen Bildungsinstituten dominieren noch klassische Präsenzkurse. Symbolbild: dpa

Osnabrück. Die Digitalisierung macht die Weiterbildung besonders notwendig, erleichtert sie aber auch. Vor allem Unternehmen, die mit digitalen Technologien arbeiten, investieren verstärkt in Qualifizierung ihrer Mitarbeiter. Für die Hochschulen sind in Zukunft flexible und mobile Bildungsangebote gefragt.

Die ur-sozialdemokratische Maxime vom lebenslangen Lernen ist heute moderner denn je. Die Digitalisierung verändert ganze Berufsfelder und Arbeitsabläufe. Und das Lernen hört nicht auf, auch weil ein Ende des technischen Fortschritts auf Dauer nicht absehbar ist. Beispiel Journalist: Redakteure an ihren Computern übernehmen Satz und Layout ihrer Zeitung und haben traditionsreiche Berufsgruppen wie die der Setzer überflüssig gemacht. Die Reporter müssen sich heute mit sozialen Medien beschäftigen und immer neue Kommunikationskanäle beherrschen und nutzen. Auch in handwerklichen Berufen wie dem der Elektriker bleibt die Beschäftigung mit digitaler Technologie in Zeiten von Smart Homes, also „intelligenten“, vernetzten Häusern nicht aus. Berufe wie Rechtsanwaltsgehilfen werden vermutlich bald wegfallen und durch Maschinen ersetzt, dann heißt es für einige umdenken.

(Weiterlesen: Trotz Digitalisierung: Die Arbeit geht uns nicht aus)

Häufig Weiterbildung bei digital produzierenden Unternehmen

Die Digitalisierung macht die Weiterbildung besonders notwendig, erleichtert sie aber auch. So steigt durch die schnelle technische Entwicklung einerseits der Bedarf, Mitarbeiter zu qualifizieren. Andererseits wird die digitale Bildung vielfältiger. Unternehmen, die digital produzieren, investieren derzeit mehr Zeit und Geld in Weiterbildung als andere Betriebe, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) analysierte.

Während die Bereitschaft für Qualifizierung im Handwerk bis auf 30 Prozent runtergehen kann, investieren 95 Prozent der Unternehmen im Kommunikations- und Servicebereich in Weiterbildung. „Der wissensbasierte technologische Fortschritt ist hier so schnelllebig, dass man permanent an Training denken muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben“, sagt Alexander Kritikos vom DIW. Betriebe, die in Weiterbildung investieren, haben öfter Innovationen und bleiben am Markt, so der Experte.

Wirtschaft investiert immer mehr

Die Wirtschaft hat in den letzten Jahren zunehmend Geld in Qualifizierungen gesteckt. Rund 85 Prozent der deutschen Unternehmen sind in der Weiterbildung aktiv. Insgesamt flossen 33,5 Milliarden Euro aus der Wirtschaft in Qualifizierungen, davon 17,6 Milliarden für direkte Kosten wie Teilnahmegebühren. Diese sind in den letzten Jahren gestiegen, sowohl je Mitarbeiter als auch in der Summe. Dagegen nehmen sich die die Weiterbildungsausgaben der öffentlichen Hand mit 1,9 Milliarden Euro in 2017 deutlich geringer aus.

Die Unternehmen müssten bei Weiterbildung in Zukunft stärker eingebunden werden und nach ihrem wirklichen Bedarf befragt werden. Viele Weiterbildungen seien in der Vergangenheit nicht ausreichend gewesen, um Menschen für andere Jobs fit zu machen (beispielsweise Softwareentwickler), sagt Kritikos.

Nachfrage der Unternehmen berücksichtigen

Die Bundesagentur für Arbeit (BA) entgegnet: Gefördert werden berufliche Weiterbildungen, die am regionalen Arbeitsmarkt auch nachgefragt werden. „Der ohnehin vorhandene direkte Kontakt zu Unternehmen wird zukünftig noch weiter intensiviert.“ Unternehmen könnten sich direkt an die Arbeitsagenturen wenden und mitteilen, welche zusätzlichen Fähigkeiten sie sich von Mitarbeitern wünschen. Eine enge Abstimmung mit den Betrieben sei den Arbeitsagenturen wichtig. 2017 wurden von der Bundesagentur 196.680 Weiterbildungen gefördert mit einem Budget von 1,23 Milliarden Euro.

Im Herbst 2017 hatte die BA Beratungscenter für lebenslanges Lernen in Düsseldorf, Leipzig und Kaiserslautern eröffnet, in denen Schüler, Auszubildende, Studenten und Erwerbspersonen mit Orientierungsbedarf beraten wurden. Noch steht nicht fest, ob das Pilotprojekt für die ganze Bundesrepublik ausgebaut werden wird.

Flexible und mobile Formate sind gefragt

Eine Herausforderung der Bildungspolitik wird sein, nicht nur die Haltung der Menschen zum lebensbegleitenden Lernen zu fördern, sondern auch, das Angebot den zunehmend mobilen Berufstätigen mit flexiblen und digitalen Kursen zu begegnen. Vor allem private Institute treiben die Neuausrichtung ihrer Angebote voran. 40 Prozent der Trainer und Kursleiter setzen digitale Medien wie Videos und Power Point regelmäßig ein. Von deren Kollegen in Volkshochschulen und im öffentlich geförderten Weiterbildungsbereich tun das laut der Bertelsmann Stiftung nicht einmal halb so viele.

Präsenzkurse dominieren

Vor allem in Volkshochschulen und bei öffentlich geförderten Angeboten dominieren bislang noch klassische Präsenzkurse „Weiterbildungsangebote müssen auf die Bedarfe der Studierenden angepasst werden. Gerade hier gibt es viele unterschiedliche Gruppen, was die berufliche Erfahrung angeht. Das müssen die Hochschulen berücksichtigen. Das kostet Zeit und Geld“, sagt die Hochschulrektorenkonferenz. Es brauche zusätzliches Personal, Konzepte, flexible Formate. „Volldigitale“ Studienangebote sind an deutschen Hochschulen noch rar. „Diese sind in Herstellung und Betrieb sehr ressourcenintensiv. Für die virtuelle Plattform, Konzeption, Produktion, Lehrbetrieb, Auswertung sowie inhaltliche und technische Weiterentwicklungsaufgaben entsteht ein erheblicher zeitlicher und monetärer Aufwand“, sagt die HRK. Die Gefahr des Studienabbruchs sei besonders hoch.

Anrechnung beruflicher Kompetenzen

Eine Vielzahl von Hochschulen ist schon seit vielen Jahren in der Anrechnung beruflich erworbener Kompetenzen aktiv. Dennoch fehle es weiterhin an personellen Ressourcen, um außerhalb der Hochschulen erworbene Kompetenzen qualitätsgesichert anrechnen zu können. Abgesehen davon sei vielen Studierenden häufig gar nicht bewusst, dass vorherige Leistungen angerechnet werden könnten. „Hier könnten die Hochschulen sicher an einigen Stellen auch noch besser informieren.“

Für die kommenden Jahre müssen die Weiterbildungsausgaben weiter steigen, um zukünftige Anforderungen vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen zu bewältigen, heißt es vom Bildungsministerium.


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