Teilzeit und Vollzeit Arbeitszeitreform mit Schönheitsfehlern

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Schattenriss einer Kellnerin in Düsseldorf: Vor allem Frauen sind in Deutschland von der Teilzeitfalle betroffen. Foto: dpaSchattenriss einer Kellnerin in Düsseldorf: Vor allem Frauen sind in Deutschland von der Teilzeitfalle betroffen. Foto: dpa

Osnabrück. Beschäftigte sollen vom 1. Januar 2019 das Recht auf befristete Teilzeit und Rückkehr in die Vollzeit bekommen - allerdings nicht in allen Betrieben. Damit hat die Reform einen Makel. Gleichwohl ist sie ein Schritt in die richtige Richtung. Ein Kommentar.

Einmal Teilzeit, immer Teilzeit: Vor allem Frauen tappen oft in diese Falle, wenn sie – etwa wegen der Erziehung von Kindern – die Arbeitszeit reduzieren. Es ist deshalb gut, wenn es künftig ein Recht geben wird, auf eine Vollzeitstelle zurückzukehren.

Die nun vorliegende Reform entspricht den Wünschen von Zehntausenden von Beschäftigten. Und sie kann auch ein Beitrag sein, Altersarmut zu vermeiden. Denn in Teilzeitjobs erwirbt man meist keine auskömmlichen Rentenansprüche.

In gewisser Weise werden die Vorzeichen umgekehrt. Profitierten in der Vergangenheit oft die Arbeitgeber von Flexibilisierungen auf dem Arbeitsmarkt, so sind es jetzt die Arbeitnehmer.

Dass die Unternehmen überfordert werden, erscheint aber unwahrscheinlich. Denn bei den Zumutbarkeitsregeln ist ein tragfähiger Kompromiss gefunden worden. So gilt das Recht auf Rückkehr in Vollzeit längst nicht für alle Arbeitnehmer. Kleine Betriebe mit weniger als 46 Beschäftigten sind ausgenommen. Das führt zu einem gravierenden Makel: Es gibt Arbeitnehmer erster und zweiter Klasse.

Richtig bleibt aber auch, dass an weiteren Stellen mehr getan werden muss, um die Teilzeitfalle zu entschärfen. So sind auch deshalb viele Frauen und Männer ungewollt unterbeschäftigt, weil es an Kitaplätzen und Ganztagsschulen mangelt.


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