SPD-Bundesvorsitz Simone Lange gegen Andrea Nahles: Das ungleiche Duell

Von Henning Baethge

Zwei Frauen, ein Ziel: der SPD-Vorsitz. Fraktionschefin Andrea Nahles (l.) und Herausforderin Simone Lange. Foto: dpa/dewa/Montage: JahrZwei Frauen, ein Ziel: der SPD-Vorsitz. Fraktionschefin Andrea Nahles (l.) und Herausforderin Simone Lange. Foto: dpa/dewa/Montage: Jahr

Flensburg. Die Flensburgerin Simone Lange fordert Favoritin Andrea Nahles bei der Wahl zur SPD-Chefin heraus.

Nein, die SPD-Bundestagsfraktion unter Führung von Andrea Nahles möchte Simone Lange nicht näher kennenlernen. Nachdem die Flensburger Oberbürgermeisterin und Bewerberin um den Parteivorsitz schon mit dem Wunsch nach einem öffentlichen Duell mit ihrer Gegnerin Nahles auf taube Ohren gestoßen ist, blitzt Lange jetzt auch mit ihrem Angebot ab, sich diese Woche in der Fraktion zu präsentieren. Eine Fraktionssitzung sei nach Ansicht des gesamten Vorstand s „nicht der geeignete Ort“ für eine Kandidatenvorstellung, hat der Parlamentarische Geschäftsführer Carsten Schneider ihr mitgeteilt.

Viel schwerer können es die Bundespolitiker der SPD der Außenseiterin im Kampf um den Chefsessel kaum machen. An jeder Reaktion aus Berlin wird deutlich, wie sehr die Spitzenleute der Sozialdemokraten die Kandidatur der Flensburgerin Lange als störend für den Sonderparteitag am kommenden Sonntag in Wiesbaden empfinden. Die Parteiführung fürchtet, dass statt eines geschlossenen Bildes der SPD mit einem überzeugenden Ergebnis für die vom Bundesvorstand nominierte Nahles nun Streit und mehr oder weniger große Abstriche an Nahles‘ Wahlresultat das Treffen prägen könnten.

Zwar betonen Sozialdemokraten gern, dass kontroverse Debatten zur Kultur der Partei gehören. Nur zu lange sollen die offenbar nicht dauern. Ob ihr zehn Minuten Redezeit zur Vorstellung auf dem Parteitag reichen würden, wollte Generalsekretär Lars Klingbeil letzte Woche von Lange wissen. Eher nicht, hat sie geantwortet. Die Flensburgerin hält wenigstens eine halbe Stunde für angemessen. Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel hat bei Wahlparteitagen sogar gern schon mal anderthalb Stunden geredet. Aber wenn sie wirklich nur zehn Minuten bekommt? „Das wird weniger mir schaden als der innerparteilichen Demokratie“, warnt Lange.

Sieg von Lange wäre mehr als eine Sensation

Doch selbst wenn sie länger als zehn Minuten vor den rund 600 Delegierten für sich werben könnte, hätte Lange wohl keine echte Chance gegen Nahles. Zu ungleich sind die Ausgangsbedingungen: Hier die bundespolitisch völlig unerfahrene Kommunalpolitikerin, die im eigenen Landesverband nur von der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen unterstützt wird – dort die mit allen Wassern gewaschene Fraktionschefin, die auch schon Juso-Vorsitzende, Generalsekretärin und Bundesministerin war und den gesamten Parteivorstand hinter sich hat. Da wäre ein Sieg von Lange mehr als eine Sensation.

Trotzdem zeigt sich die in Thüringen aufgewachsene Herausfordererin zuversichtlich. „Man kann so vieles schaffen, von dem man vorher gar nicht geglaubt hat, dass es geht“, sagt die 41-Jährige – und verweist auf die deutsche Wiedervereinigung. Tatsächlich kommt Lange in vielen Diskussionsrunden bei der Parteibasis gut an. Ihre Kritik an Hartz IV, aber auch an den Sanktionen gegen Russland spricht vielen Sozialdemokraten aus der Seele. Lange ist für sie der linke Gegenentwurf zu den Groko-Pragmatikern in Berlin. „Wir leben in zwei Parteien – einer der Basis und einer der Berufspolitiker“, hat es ein älterer Genosse letzte Woche bei Langes Vorstellung im Berliner Stadtteil Pankow zusammengefasst. Die „Welt“ hat Lange sogar zur „Sahra Wagenknecht der SPD“ ernannt.

Tatsächlich dürfte Lange auf dem Parteitag vor allem von Groko-Gegnern Stimmen bekommen. Die „No-Groko-Basisinitiative“ etwa empfiehlt den Delegierten: „Wer Simone wählt, wählt SPD erneuern.“ Gemeint ist damit nicht zuletzt, dass Lange die Mitglieder stärker in wichtige Entscheidungen der Partei einbeziehen und künftig etwa über die Vorsitzenden abstimmen lassen will. „Es kann nicht sein, dass die Raiffeisenbank demokratischer ist als wir“, wettert sie. Eine Mehrheit auf dem Parteitag wird Lange zwar auch mit solch eingängigen Sätzen nicht erreichen. Doch wäre schon jede Prozentzahl über 20 ein Achtungserfolg für sie – und ein Fehlstart für Nahles.