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15.04.2018, 16:29 Uhr SYRIEN-KRIEG

Militärschlag in Syrien ist Beleg für eine große Krise

Kommentar von Marion Trimborn

Auch nach dem Militärschlag kommt der Westen einem Frieden in Syrien nicht näher. Demonstranten protestieren vor dem Weißen Haus in Washington gegen US-Angriffe in Syrien. Foto: dpaAuch nach dem Militärschlag kommt der Westen einem Frieden in Syrien nicht näher. Demonstranten protestieren vor dem Weißen Haus in Washington gegen US-Angriffe in Syrien. Foto: dpa

Osnabrück. Auch wenn die große Eskalation im Syrien-Konflikt ausgeblieben ist: Auf dem Weg zum Frieden kommt die Welt keinen Schritt weiter. Der Westen unter Führung der USA agiert verantwortungslos. Das Regime von Machthaber Assad wurde nicht wirklich geschwächt. So ist der Syrien-Krieg nicht zu beenden. Ein Kommentar

Irgendwie ist ja alles noch mal gut gegangen, könnte man denken. Nach den US-geführten Luftanschlägen gegen Syrien ist die befürchtete Eskalation ausgeblieben und die Angst vor einem möglichen 3. Weltkrieg wieder in den Hintergrund gerückt. Allen Beteiligten dürfte klar geworden sein, wie schnell aus dem Stellvertreterkrieg ein Flächenbrand entstehen kann und dass eine diplomatische Lösung her muss.

Erleichterung herrscht auch darüber, dass der US-geführte Militärschlag deutlich begrenzter war, als von US-Präsident Trump zunächst gewünscht. Es gibt also noch Stimmen der Vernunft in der US-Regierung und im Militär. Auch Moskau hat zum Glück nicht so reagiert wie angedroht. Die Russen ließen ihre eigene moderne Luftabwehr während des Angriffs ausgeschaltet. Mit der Forderung nach einer Sondersitzung des UN-Sicherheitsrates setzt Moskau auf eine Gesprächslösung, das ist erst mal beruhigend.

US-Regierung ist unberechenbar

Doch zur Bilanz der vergangenen Tage gehört auch die Erkenntnis, dass die USA einen verantwortungslosen, unberechenbaren Präsidenten haben, der den schnellen Erfolg durch Militärschläge sucht. Seine Twitter-Botschaft „Mission erfüllt“ weckt nicht nur schlechte Erinnerungen an den mit einer Lüge begonnenen Irak-Krieg eines seiner Vorgänger George W. Bush. Sondern es zeigt auch, dass Trump keine langfristige Strategie für Syrien hat. Und nicht nur er: Auch der Westen weiß offenbar nicht, wie der syrische Machthaber Assad zu stoppen ist.

Krise der Politik

Bestürzend ist auch die totale Glaubwürdigkeitskrise der Politik. Beweise, dass wirklich das Assad-Regime für den mutmaßlichen Giftgasanschlag im syrischen Duma verantwortlich ist, fehlen nach wie vor. Wie im Fall des vergifteten Doppelagenten Skripal verurteilt der Westen vorschnell Russland. Mit diesem Vorgehen ist der Syrien-Krieg sicher nicht zu beenden.


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