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13.04.2018, 20:17 Uhr SYRIEN

Giftgasattacke: Westen ohne gute Optionen

Kommentar von Manuel Glasfort

Enge Verbündete: Russlands Präsident Wladimir Putin und Syriens Machthaber Baschar al-Assad, hier Ende 2017 bei einem Treffen in Sotschi. Foto: dpaEnge Verbündete: Russlands Präsident Wladimir Putin und Syriens Machthaber Baschar al-Assad, hier Ende 2017 bei einem Treffen in Sotschi. Foto: dpa

Osnabrück. Russland und der Westen überziehen sich nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff in Syrien mit gegenseitigen Vorwürfen. Für Europäer und Amerikaner gibt es jedoch nur schlechte und weniger schlechte Optionen.

Nach dem mutmaßlichen Giftgasangriff auf die syrische Rebellenstadt Duma zeigt Moskau mit dem Finger auf London, während Washington und Paris den Kreml-Schützling Baschar al-Assad verantwortlich machen. Von den Beweisen, die alle Seiten angeblich haben, bekommt die Öffentlichkeit jedoch nichts zu sehen. Wem soll man da glauben?

Die Erfahrungen der vergangenen Jahre sprechen gegen Russland. Kreml-Herrscher Wladimir Putin ist ein Meister im Tricksen und Täuschen, das hat er nicht nur im Ukrainekonflikt zur Genüge bewiesen. Doch ein bloßer Verdacht reicht nicht, um Gegenmaßnahmen zu rechtfertigen. Zunächst müssen Beweise auf den Tisch, dass tatsächlich Syriens Machthaber Assad den Angriff befohlen hat.

Und dann? Schulterzuckend zur Tagesordnung überzugehen darf für die Weltgemeinschaft nach dem Einsatz der geächteten Waffen keine Option sein. Dann könnte man die Chemiewaffen-Konvention, der übrigens auch Syrien beigetreten ist, gleich beerdigen.

Die Lage ist aber derart vertrackt, dass es für den Westen keine guten Optionen gibt. Eine schwache Reaktion könnte weitere Giftgastote in den verbliebenen Rebellengebieten zur Folge haben. Eine starke Reaktion könnte einen Konflikt mit Russland provozieren. Die einzig gute Nachricht: In den westlichen Hauptstädten weiß man um das Dilemma.


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