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13.04.2018, 18:04 Uhr MEHR MESSERATTACKEN?

Allgemeine Verrohung

Kommentar von Marion Trimborn

Nach mehreren Messerattacken mehren sich die Forderungen nach einem Verbot für das Tragen von Messern und härtere Strafen. Foto: dpaNach mehreren Messerattacken mehren sich die Forderungen nach einem Verbot für das Tragen von Messern und härtere Strafen. Foto: dpa

Osnabrück. Gehen immer mehr Menschen mit Messern aufeinander los? Mehrere spektakuläre Fälle haben das Thema in den Fokus gerückt. Dabei geht es auch um ein Verbot für das Tragen von Messern. Aber so einfach ist es nicht. Ein Kommentar

Die Forderung nach Verboten ist schnell zur Hand. Es hat ja eine gewisse Logik: Wenn immer mehr Menschen mit Messern aufeinander losgehen, muss man eben das Tragen von Messern verbieten. Härtere Strafen gäben der Polizei die Möglichkeit, durchzugreifen und einen Verdächtigen gleich in Untersuchungshaft zu bringen.

Das ist ein Ansatz, aber eben nur einer.

Auch wenn gefühlt das Risiko zugenommen hat, so fehlen nach wie vor wissenschaftlich haltbare Belege für einen sprunghaften Anstieg von Messerattacken. Ob Migranten überdurchschnittlich vertreten sind, ist auch noch nicht geklärt. Erst müssen Daten her. Gut, dass Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen künftig Angriffe mit Stichwaffen gesondert in der Kriminalitätsstatistik ausweisen wollen. Das Problem: Erst im nächsten Jahr greift diese Änderung. Außerdem sind bundesweite Zahlen nötig.

Es gibt noch einen anderen Ansatzpunkt. Die tödlichen Messerattacken der vergangenen Monate zeigen, dass es vor allem um junge, männliche Erwachsene geht - die in diesem Alter generell aggressiver sind. Daher ist es sinnvoll, für Ausgehzonen und Partyviertel ein generelles Waffenverbot auszusprechen - für Messer, aber eben auch für Schreckschusswaffen, Elektroschocker oder Baseballschläger. Allerdings rührt auch das nicht an den Kern des Problems, nämlich die Verrohung und zunehmende Gewaltbereitschaft in dieser Gesellschaft.


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