Ein Bild von Burkhard Ewert
12.04.2018, 17:41 Uhr KOMMENTAR

Einigung statt Eskalation: Das wäre sehr leicht möglich

Kommentar von Burkhard Ewert

Die Russen decken ihm den Rücken: Baschar al-Assad (2.v.r), Präsident von Syrien, bei einem Treffen mit einer Delegation muslimischer Geistlicher aus verschiedenen Ländern, die an einer Konferenz zur „Einheit der muslimischen Welt“ aktuell in Damaskus teilnehmen. Foto: Uncredited/SANA/dpaDie Russen decken ihm den Rücken: Baschar al-Assad (2.v.r), Präsident von Syrien, bei einem Treffen mit einer Delegation muslimischer Geistlicher aus verschiedenen Ländern, die an einer Konferenz zur „Einheit der muslimischen Welt“ aktuell in Damaskus teilnehmen. Foto: Uncredited/SANA/dpa

Osnabrück. Angeblich will keiner einen neuen Kalten Krieg. Warum arbeiten dann so viele unaufhörlich darauf hin? Das passt nicht zusammen, wie die Eskalationsspirale im Fall Syrien zeigt.

Donald Trump kommuniziert anders als der gemeine Mitteleuropäer. Angeben, drohen, bluffen, übertreiben, all das gehört zu seinem gängigen Repertoire, gerade auch in den sozialen Netzwerken. Sicherlich zählt es auch zu seinen Eigenschaften, sich zu äußern, ohne groß nachgedacht zu haben. Gleichzeitig aber ist er in der Lage, genau auf diese impulsive, verstörende und unberechenbare Weise Bewegung zu erzeugen – siehe Nordkorea.

Im Fall Syrien besteht die Gefahr, dass zu viele genau das wollen, was der US-Präsident da jetzt rausposaunt hat: anzugreifen und es „nice“, also hübsch zu finden, Raketen auch gegen russische Truppen zu richten.

Trumps Gefährten im Geiste hoffen auf einen solchen Schritt aufgrund ihrer persönlichen Haltung, wirtschaftlicher Interessen, aus einem tief empfundenen Russlandhass heraus oder auch deshalb, weil ein robustes Eingreifen der USA in Syrien die Machtverhältnisse doch noch einmal ändern könnte. Die laufen andernfalls darauf hinaus, dass auch nach sieben Jahren des brutalen Bürgerkriegs Baschar al-Assad am Ruder bleibt. Dafür aber bliebe zugleich eine Art Staatlichkeit erhalten, anders als es bei den westlichen Bombardierungsobjekten Afghanistan, Irak oder Libyen der Fall war.

Der russische Weg ist also durchaus rational. Ihn zu unterlaufen wäre unklug. Ganz nebenbei: Der Einsatz von Chemiewaffen widerspricht internationalem Recht. Das Einrichten von Stützpunkten und der Einsatz von Drohnen und Marschflugkörpern auf dem Gebiet eines anderen Staats ohne internationales Mandat oder dessen Einwilligung aber ebenfalls.

Genug Gründe also, auf Provokationen nicht militärisch zu antworten, sondern zu verhandeln. Darum geht es ja auch den Russen. Syrien nutzen sie als Faustpfand, um auf anderem Feld Vorteile zu erzielen. Zynisch? Mag sein. Aber wenn doch angeblich keiner den Kalten Krieg will, muss die Einigung das Ziel sein, nicht die Eskalation.

Folgen Sie unserem Autoren gerne bei Twitter.


Der Artikel zum Kommentar