Ein Bild von Uwe Westdörp
12.04.2018, 14:59 Uhr ÖFFENTLICHER DIENST

Welle von Warnstreiks: Muss das wirklich sein?

Von Uwe Westdörp


Druck von der Straße: Streikende  Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes bei einer Kundgebung auf dem Schlossplatz in Stuttgart. Foto: dpa.Druck von der Straße: Streikende Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes bei einer Kundgebung auf dem Schlossplatz in Stuttgart. Foto: dpa.

Onabrück. Verdi-Chef Frank Bsirske hat die Arbeitgeber im Öffentlichen Dienst aufgefordert, die Jobs in der Branche attraktiver zu gestalten. Das ist eine berechtigte Forderung. Im Interesse der Bürger muss es aber auch darum gehen, eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden. Die immer wiederkehrenden Rituale und Muskelspiele nerven. Ein Kommentar.

Muss das wirklich sein? Zweimal schon haben die Tarifpartner im Öffentlichen Dienst verhandelt. Doch noch immer ist kein Ergebnis in Sicht, nicht einmal eine grobe Kompromisslinie. Die Gewerkschaften reagieren darauf mit einer Welle von Warnstreiks. Leidtragende der Muskelspiele sind wieder einmal Zehntausende von Bundesbürgern, deren Flüge gestrichen werden, deren Busse nicht fahren, deren Müll nicht entsorgt wird und deren Kinder nicht betreut werden. Geht es nicht auch ohne diese nervenden Rituale?

Fest steht in jedem Fall: An den Fakten ändert sich nichts, auch wenn man den Tarifkonflikt in die Länge zieht. Und Fakt ist: Wirtschaftliche Lage und Steuereinnahmen sind gut, eine spürbar bessere Bezahlung der Beschäftigten ist damit möglich und angebracht. Das liegt auch im langfristigen Interesse des Öffentlichen Dienstes, der sich in einem immer härter werdenden Wettbewerb um Fachkräfte behaupten muss.

Wichtig bleibt freilich auch, die Arbeitgeber nicht zu überfordern. Sie müssen zudem die Möglichkeit behalten, gezielt Personal einzustellen. Da könnte es sich als Problem erweisen, untere Entgeltgruppen mit einem Mindestbetrag von 200 Euro überproportional stark zu fördern. Genauso wichtig ist es, für Fach- und Führungskräfte attraktiv zu bleiben, was ebenfalls viel Geld kostet.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN