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12.04.2018, 14:54 Uhr KOMMENTAR

Holocaust-Gedenktag: Neues Bewusstsein

Kommentar von Stefanie Witte

Polens Präsident Andrzej Duda (r.) and Israels President Reuven Rivlin (2.v.l.) beim „Marsch der Lebenden“. Foto: AFPPolens Präsident Andrzej Duda (r.) and Israels President Reuven Rivlin (2.v.l.) beim „Marsch der Lebenden“. Foto: AFP

Osnabrück. Es steht besser um die Beziehungen zwischen Israel und Polen, als der jüngste Streit vermuten lässt. Vereint legten die Präsidenten der beiden Länder jetzt den Weg von Auschwitz nach Birkenau zurück – begleitet von 12.000 Jugendlichen. Öffentlichkeitswirksamer lässt sich auf den Massenmord der Nazis nicht aufmerksam machen. Und das ist gut so.

Dabei hatte Israel Polen zuletzt vorgeworfen, die Geschichte verfälschen zu wollen. Das Land hatte zu Jahresbeginn Äußerungen unter Strafe gestellt, die der polnischen Nation eine Mitschuld an den Verbrechen der Nationalsozialisten geben. So überrascht es nicht, dass jüdische Jugendliche in dieser Woche mit einem mulmigen Gefühl zum Gedenken nach Auschwitz reisten.

Nun stehen jedoch alle Zeichen auf Entspannung. Abgesehen vom öffentlichen Schulterschluss hat Polen zudem erkannt, dass es sich mit dem Gesetz, das angeblich den Ruf des Landes schützen sollte, einen nachhaltigen Imageschaden verpasst hat. Änderungen nicht ausgeschlossen.

So hatte der Streit vielleicht sogar ein Gutes: Als Konsequenz beschäftigten sich viele Menschen weltweit mit dem Holocaust. Die Rekordteilnehmerzahl am „Marsch der Lebenden“ zeugt davon. Dieses erneuerte Bewusstsein entspricht dem Kernanliegen aller Gedenkveranstaltungen und vieler Menschen: Niemals wieder.


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