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11.04.2018, 17:57 Uhr GLYPHOSAT-STREIT

Nichts draus gelernt - EU ist beim Verbraucherschutz zu langsam

Kommentar von Marion Trimborn

Die EU-Kommission zieht erste Lehren aus dem Fall Glyphosat - das kommt aber reichlich spät. Foto: dpaDie EU-Kommission zieht erste Lehren aus dem Fall Glyphosat - das kommt aber reichlich spät. Foto: dpa

Osnabrück. Der Unkrautvernichter Glyphosat ist zum Politikum geworden - wie einst das Freihandelsabkommen TTIP. In beiden Fällen hat die EU-Kommission den Verbraucher zunächst ignoriert - und wurde dann von einer Welle des Protests überrollt. Dass das mit neuen Regeln nun wirklich anders wird, ist nicht zu erwarten. Ein Kommentar

Warum erst jetzt? Der Glyphosat- Fall hat einmal mehr gezeigt, dass die Europäische Union sich schwer tut, wenn es darum geht, den Bürgern mehr Einfluss und mehr Beteiligung einzuräumen. Das war schon beim Freihandelsabkommen TTIP so, als die EU-Kommission mit Hinterzimmer-Verhandlungen den Volkszorn schürte. Die Sache wurde zum Politikum, Parolen gegen Chlorhühnchen und Hormonfleisch machten die Runde. Und sorgten dafür, dass TTIP heute politisch erledigt ist.

Nichts draus gelernt, muss man sagen. Auch beim Glyphosat hielt Brüssel lange die relevanten Studien zurück. Ein Fehler. Denn Verbraucherschützer, Grüne und Kritiker füllten die Lücke und starteten eine Kampagne gegen den Unkrautvernichter. In der Debatte wurde das Thema gerne auf Gut und Böse reduziert: Wer gegen Glyphosat war und ist, gehört automatisch zu den Guten. Dass das Mittel dann doch durch einen billigen politischen Trick des deutschen Agrarministers die Zulassung erhielt, verunsicherte Verbraucher noch mehr.

Die EU-Kommission hat immerhin erkannt, dass Kontrollverlust Angst bei den Europäern schürt. Es ist ein richtiger Schritte, dass der mündige Bürger demnächst Studien und Zulassungsanträge früher einsehen kann. Das ebnet den Weg für eine sachliche Debatte. Ein Wermutstropfen: Es wird noch mindestens ein Jahr dauern, bis der Vorschlag zum Gesetz werden kann, denn EU-Staaten und Europaparlament müssen zustimmen. Bis dahin könnte das nächste Thema aber schon den nächsten Skandal auslösen.

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