Ein Bild von Thomas Ludwig
11.04.2018, 16:51 Uhr KRIEG IN SYRIEN

Alliierter Militärschlag ist ein Spiel mit dem Feuer

Kommentar von Thomas Ludwig

Ein Vater tröstet in einem Krankenhaus in Afrin seinen Sohn, der bei dem Beschuss verletzt wurde. Foto: AFPEin Vater tröstet in einem Krankenhaus in Afrin seinen Sohn, der bei dem Beschuss verletzt wurde. Foto: AFP

Osnabrück. Ein Militärschlag der USA, Frankreichs und Großbritanniens gegen das Assad-Regime in Syrien könnte den Konflikt in die Nato tragen - dann nämlich, wenn die russischen Verbündeten US-Raketen vom Himmel holen und deren Abschussbasen zerstören.

Die USA und die westlichen Verbündeten haben seit Jahren keine Strategie für Syrien. Das mit einem massiven Militärschlag kaschieren zu wollen, verdeutlicht doch nur einmal mehr die Ratlosigkeit. Moralisch darf man sich mit einer Strafaktion gegen angebliche Assad’sche Giftgas-Mörder auf der sicheren Seite fühlen. Dann wird man aber auch die Konsequenzen einer möglicherweise weitreichenden Eskalation tragen müssen. Wie verheerend die sein könnte, mag man sich nicht ausmalen.

Denn keiner der im Syrien-Krieg involvierten Akteure - von Russland und Iran, über die Türkei bis zu Israel und den USA - ist angesichts der aktuellen Regierungen dafür bekannt, im Zweifel Vernunft walten zu lassen und zu deeskalieren. Franzosen und Briten sollten sich da nicht hinein ziehen lassen. Im Gegenteil.

Dass in Syrien Giftgas verwendet wurde, scheint gesichert. Doch wer genau steckt dahinter? Ist es wirklich das Assad-Regime? Ist es eine Inszenierung der Rebellen? Solange keine echte Klarheit herrscht, verbietet sich ein Militärschlag unter Führung Washingtons, der doch nur Moskau provozierte. Egal, wo man hinschaut, ob Irak, Afghanistan oder Libyen - ausländische Strafaktionen haben die Länder nur weiter destabilisiert und den Aufstieg von Extremisten und neuen Despoten ermöglicht. Wer verdient daran? Die Rüstungsindustrie auf Kosten von Zivilisten.


Der Artikel zum Kommentar