Ihr regionaler Stellenmarkt
Ein Bild von Melanie Heike Schmidt
11.04.2018, 15:11 Uhr KOMMENTAR

Hartz-IV-Sanktionen: Überarbeiten, bitte

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Termin bei der Arbeitsagentur verpasst? Das kann teuer werden. Foto: dpaTermin bei der Arbeitsagentur verpasst? Das kann teuer werden. Foto: dpa

Osnabrück. Eine Million Mal kürzten Jobcenter im vergangenen Jahr die Leistungen von Hartz-IV-Empfängern, meist wegen verpasster Termine. Ist das zu hart? Wohl kaum. Dennoch gehört das System dringend überarbeitet.

Fast eine Million Mal verhängten Arbeitsagenturen 2017 Strafen gegen Hartz-IV-Empfänger, den meisten Ärger gab es wegen verpasster Termine. Menschen in Vollzeitjobs, die Kinder haben oder Verwandte pflegen, können da nur den Kopf schütteln. Auch sie müssen Termine einhalten. Warum sollten Arbeitslose für solche Versäumnisse nicht bestraft werden? Das stimmt, ebenso die Tatsache, dass ein System, das Steuergeld verteilt, Regeln braucht. Wer sie bricht, wird bestraft. Auch das ist eine Form der Gerechtigkeit.

Doch nicht alle Hartz-IV-Empfänger sind unwillig oder faul, auch das System hakt. Zum Beispiel ist es nahezu unmöglich, „seinen“ Berater ans Telefon zu bekommen, da Callcenter und somit Warteschleifen vorgeschaltet sind. Wer krank ist oder alleinerziehend, wer eine Fortbildung macht oder als Aufstocker „nebenbei“ einen mies bezahlten 40-Stunden-Job hat, für den ist das eine Zumutung. Und weshalb kann man mit den Zuständigen im Amt nicht so kommunizieren wie im modernen Berufsleben üblich, per Mail, SMS oder Whatsapp? Auch sind viele Strafen zu hart, etwa wenn jungen Menschen bei wenigen Pflichtverletzungen das Geld ganz gestrichen wird.

Was also ist zu tun? Der Sanktionskatalog gehört überarbeitet, das Prozedere modernisiert. Und das bitte schnell.

Weiterlesen: Debatte um das Grundeinkommen – Geld vom Staat für alle statt Sozialleistungen?


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN