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09.04.2018, 18:15 Uhr KOMMENTAR ZUR DEUTSCHEN BANK

Der neue Chef muss aufräumen

Kommentar von Michael Clasen

Nach drei Jahren Verlust in Folge sehnen sich viele Anleger nach besseren Zeiten bei der Deutschen Bank. Foto: dpaNach drei Jahren Verlust in Folge sehnen sich viele Anleger nach besseren Zeiten bei der Deutschen Bank. Foto: dpa

Osnabrück. Der überraschend schnelle Chefwechsel bei der Deutschen Bank macht Anlegern Hoffnung. Doch der Neue an der Konzernspitze lässt keine Zweifel: Es gibt noch viel zu tun. Zurecht.

Reichtümer als Extra-Bonbon anzuhäufen ist keine Fantasterei. Bei der Deutschen Bank war es ausgerechnet auf dem Höhepunkt der Finanzkrise möglich, sich innerhalb eines Jahres einen Boni-Anspruch in Höhe von 80 Millionen Euro zu erarbeiten. Oder besser: zu ertricksen, wie es der Euribor-Skandal um frisierte Zinsen nahelegt.

Es mag ein Zufall sein, dass ausgerechnet Christian Sewings erster Arbeitstag als neuer Deutsche-Bank-Chef mit dem Beginn des Euribor-Prozesses in London zusammenfällt. Dort müssen sich auch zwei Ex-Händler der Deutschen Bank wegen manipulierter Zinssätze verantworten, darunter der besagte Banker mit dem 80-Millionen-Euro-Bonus. Ein Fall, der symptomatisch zeigt, mit welchen Altlasten der Konzern zu kämpfen hat. Zwar hat die Deutsche Bank bereits Milliarden für Strafen und Vergleiche gezahlt, doch die Risiken sind noch nicht ausgestanden, wie weitere Rücklagen belegen. Sewing wird dieses düstere Kapitel der Konzerngeschichte schließen müssen, um alle Kraft für eine Wachstumsstrategie aufbringen zu können.

Rückkehr zu Solidität

Dazu gehört die Rückkehr zu Solidität. Und die Einführung einer neuen, leistungsorientierten und bodenständigen Unternehmenskultur. Dass die Deutsche Bank trotz hoher Verluste an die Mitarbeiter zuletzt Boni von mehr als einer Milliarde Euro ausgezahlt hat, zeigt: Sewing muss aufräumen.


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