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09.04.2018, 17:26 Uhr KOMMENTAR

Kopftuchverbot für Kinder hilft nicht weiter

Von Stefanie Witte


In NRW fordern Politiker ein Kopftuchverbot für Kinder bis 14 Jahre. Foto: dpaIn NRW fordern Politiker ein Kopftuchverbot für Kinder bis 14 Jahre. Foto: dpa

Osnabrück. Perversion, Missbrauch, Sorge ums Kindeswohl – schon die Wortwahl in der Debatte um ein Kopftuchverbot in Kindergärten und Grundschulen ist überreizt.

Der Tenor: Durch das Verbot von Stoff auf dem Kopf könne man Kinder vor fanatischen Eltern schützen. Wie viele Kinder konkret betroffen sind, weiß niemand. Vielmehr geht es um gefühlte Realitäten.

Sicher, das Verbot an sich – sollte es verfassungskonform sein – wäre kein drastisches Mittel. Nach Meinung vieler Muslime ist ein Kopftuch sowieso frühestens ab der Pubertät denkbar. Aber in Wirklichkeit verstärkt der Vorschlag in erster Linie die gedankliche Aufteilung der Welt in „die Muslime“ mit ihren scheinbar anrüchigen Kopftüchern und „uns“ vermeintlich korrekte Nicht-Muslime.

Außerdem könnte ein Verbot bei extrem konservativen oder sogar fanatischen Eltern weitere Abgrenzung und Radikalisierung bewirken. Der Schaden wäre größer als der Nutzen. Denn je mehr sich eine Familie von der Gesellschaft entfernt, desto weniger hat der Nachwuchs die Chance, sich mit alternativen Lebensentwürfen auseinanderzusetzen.

Am Ende wäre ein Kopftuchverbot für Kinder genauso integrationsfördernd wie das Burkaverbot – nämlich gar nicht. Zielführender ist es, alles daranzusetzen, Kindern zu Weltoffenheit zu verhelfen.


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