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08.04.2018, 20:57 Uhr KOMMENTAR

Neuer Chef der Deutschen Bank: Sewing übernimmt schweres Erbe

Von Michael Clasen


Christian Sewing. Foto: dpaChristian Sewing. Foto: dpa

Osnabrück. Christian Sewing soll die neue Nummer Eins in der Deutschen Bank werden. Mit ihm rückt ein Eigengewächs auf die Vorstandsspitze. Ein Kommentar.

Seit Jahren ist die Deutsche Bank ein Schatten ihrer selbst. Das einstige Aushängeschild von „Made in Germany“ mutet wie ein Sanierungsfall an. Gelingt mit dem Rauswurf von Vorstandschef John Cryan nun der Befreiungsschlag?

Aufsichtsratschef Paul Achleitner beendet so einen lähmenden Machtkampf. Mit Christian Sewing rückt ein Eigengewächs auf die Vorstandsspitze, der das Geschäft von der Pike auf gelernt hat. Die Ernennung des 47-Jährigen dürfte auch deshalb beruhigend auf die aufgewühlte Stimmung wirken – sowohl hausintern als auch an den Aktienmärkten. Zumindest gilt Sewing nicht als Hasardeur, sondern eher als bodenständiger Kosmopolit.

Worum es letztlich geht, ist das Zurückgewinnen von Vertrauen. Davon hat die Deutsche Bank nach einer Serie von Skandalen, Betrugsaffären und Verlusten dramatisch viel verloren. Wie der Aktienkurs ist auch der Glaube an die Stärke der nach wie vor größten deutschen Bank zusammengeschmolzen.

Von seinen Amtsvorgängern übernimmt Sewing ein schweres Erbe. Zudem fehlt es der Deutschen Bank an einer klaren Wachstumsstrategie. Im Unterschied zu Mitbewerbern wie Goldman Sachs hat sich der Konzern von den Rückschlägen der Finanzkrise bis heute nicht erholt. Sewing muss nun die Kehrtwende einleiten. Viel Zeit wird ihm dazu nicht bleiben.


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