Mehrere Verfahren bei der Staatsanwaltschaft Was bislang über den Amokfahrer in Münster bekannt ist

Von Frank Polke und Hilmar Riemenschneider

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Eine Polizeiabsperrung ist vor dem Haus mit der Wohnung des Amokfahrers zu sehen. (Foto: dpa)Eine Polizeiabsperrung ist vor dem Haus mit der Wohnung des Amokfahrers zu sehen. (Foto: dpa)

Münster/Olsberg. Nach der tödlichen Amokfahrt von Münster rücken der Täter und dessen mögliches Motiv in den Mittelpunkt der Ermittlungen. Einige Details sind bekannt, andere liegen im Dunkeln.

Was ist bisher über den Mann bekannt?

Es soll sich um einen 48 Jahre alten Deutschen handeln, der 1969 in Olsberg (Sauerland) geboren wurde, aber bereits seit Jahren in Münster lebt. Sein Name wird mit Jens Alexander R. benannt. Er war Ende der 90er-Jahre Student im Fachbereich Design an der FH Münster, gewann Preise und arbeitete als Industriedesigner. Er wohnte in einem Mehrfamilienhaus in Münsters Innenstadt.

War der Mann bisher polizeibekannt?

Ja. Laut Staatsanwaltschaft liefen gegen den Mann 2015 und 2016 mehrere Verfahren etwa wegen Bedrohung, Unfallflucht, Betrugs und Sachbeschädigung, die alle eingestellt wurden. Es habe aber „keine Anhaltspunkte auf eine stärkere kriminelle Intensität“ gegeben, hieß es aus Ermittlerkreisen.

Eine Ende März verschickte E-Mail des Mannes an Bekannte hat bereits seit Ende März die Polizei in Nordrhein-Westfalen und Sachsen beschäftigt. Wie die Beamten in Münster am Sonntag mitteilten, ergaben sich aus der Nachricht „vage Hinweise auf suizidale Gedanken, aber keinerlei Anhaltspunkte für die Gefährdung anderer Personen“. Beamte suchten demnach die Wohnungen des Manns in Münster und Sachsen auf. In seiner Wohnung in Münster sei der Mann nicht angetroffen worden, berichteten Polizei und Staatsanwaltschaft weiter. Nachbarn gaben demnach an, ihn seit längerer Zeit nicht mehr gesehen zu haben. Daraufhin sei die Polizei in Sachsen informiert worden. Auch in seinen Wohnungen in Dresden und Pirna sei der Mann aber nicht angetroffen worden.“Weitere Erkenntnisse über den Verbleib des Täters konnten durch die Polizei bis zum Tatzeitpunkt nicht ermittelt werden“, erklärten die Ermittler. Die Stadt Münster teilte demnach mit, er habe zu dieser Zeit Kontakte zum Gesundheitsamt gehabt.

Was könnte die Tat ausgelöst haben?

Gibt es einen politischen Hintergrund? Bisher wird das von den Ermittlern dementiert. Die Polizei hat nach der Tat insgesamt vier Wohnungen des Amokfahrers durchsucht, aus denen sich keine Hinweise auf ein politisches Tatmotiv ergaben. „Wir haben in der ganzen Nacht die Wohnungen des Täters durchsucht“, sagte der Polizeipräsident von Münster, Hajo Kuhlisch. Zwei davon lägen in Sachsen, zwei in Münster. „Die erste, doch schon etwas intensivere Durchsicht hat keinerlei Hinweise auf einen politischen Hintergrund ergeben.“ Die Ermittler gingen daher davon aus, „dass die Motive und Ursachen in dem Täter selber liegen“. Das sei ein vorläufiger Stand.

Was wurde in den Wohnungen gefunden?

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Amokfahrers in Münster fand die Polizei eine nicht brauchbare Maschinenpistole vom Typ AK47. Die Beamten hätten eine Dekorationswaffe und Feuerwerkskörper gefunden. Hinweise auf politische Propaganda wurden nicht entdeckt.

Welche Informationen gibt es noch?

Es muss lange gut gelaufen sein für den Industriedesigner: Jens R. nutzte vier Wohnungen, zwei in Münster, zwei in Ostdeutschland – darunter in Pirna, dazu besaß er mehrere teure Pkw. Seine gut gehende Firma und mindestens ein erfolgreiches Design-Patent hat er vor einigen Jahren offenbar gut verkauft. Die Ermittler suchen darum nach dem Bruch. War es eine schwere Rücken-Operation, die das Blatt für Jens R. wendete? Hinweise, dass Jens R. Verbindungen zum rechtsextremen Milieu besaß und politische Motive hinter der Amokfahrt stehen, sind nach Einschätzung der Ermittler indes nicht belastbar. (mit AFP)


Hilfe bei psychischen Problemen

Der Täter hatte allem Anschein nach psychische Probleme und hat sich selbst getötet. Hilfe bei ähnlichen Gedanken bietet unter anderem anonym die Telefonseelsorge, die kostenfreie Nummer ist 0800 111 0 111.

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