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08.04.2018, 13:12 Uhr KOMMENTAR ZUM KIEPENKERL-VORFALL

Wollen wir sein wie die AfD oder wie Münster?

Von Dirk Fisser


Kerzen am Kiepenkerl in Münster. Hier steuerte ein Mann am Samstag ein Fahrzeug in die vollbesetzte Außenfläche eines Cafés. Foto: dpaKerzen am Kiepenkerl in Münster. Hier steuerte ein Mann am Samstag ein Fahrzeug in die vollbesetzte Außenfläche eines Cafés. Foto: dpa

Osnabrück. In Münster sterben Cafébesucher, als ein Einzeltäter ein Fahrzeug in eine Menschenmenge steuert. Im Internet wird sofort über Hintergründe spekuliert. Ein Kommentar.

Der Hysterie in den digitalen Echoräumen von AfD und anderen haben die Münsteraner am Samstag eine wohltuende Besonnenheit gegenübergestellt. Die Stadt und ihre Bewohner haben gezeigt, was wirklich zählt, wenn das gewohnte Leben so plötzlich und so unerklärlich aus den Fugen gerät: Zusammenhalt. Zahlreiche Menschen folgten dem Aufruf der Uni-Klinik und kamen zum Blutspenden. Andere boten Betroffenen der Räumung ihre Hilfe an. Vorbildlich!

Die Ereignisse in Münster sind auch ein Fanal dafür, welche Gesellschaft wir sein wollen: eine menschliche, wie sie die auf eine liebenswerte Art und Weise piefige Stadt im Moment der Katastrophe vorgelebt hat. Oder die hasserfüllte, die sich in den sozialen Netzwerken Bahn brach und deren Rädelsführer für die AfD mittlerweile sogar im Bundestag sitzen.

Bei allen Relativierungen, die die Bundestagsabgeordnete Beatrix von Storch noch absonderte: Ihre Äußerungen und die anderer offenbaren, dass die Funktionäre dieser Partei die Institutionen dieses Staates und deren Arbeit nicht achten. Nein, sie unterminieren sie sogar, indem sie Hass und Zweifel streuen. Und sie lassen bei ihrem Drang zur Instrumentalisierung und Selbstinszenierung den gebührenden Anstand vor Opfern und ihren Angehörigen missen.

Möge jeder selbst wählen, wie er sein will: Wie das besonnene Münster. Oder wie die Angststreuer der AfD.


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