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06.04.2018, 17:18 Uhr UNION RINGT UM IHREN KURS

Jens Spahn, bitte nicht auf diesem Niveau

Kommentar von Uwe Westdörp

Die Kanzlerin und ihr Kritiker: Angela Merkel und Jens Spahn. Foto: imago/ZUMA PressDie Kanzlerin und ihr Kritiker: Angela Merkel und Jens Spahn. Foto: imago/ZUMA Press

Osnabrück. Unions-interne Kritiker der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel fordern eine Rückkehr zum „Markenkern“ der CDU/CDU. Dazu wollen sie ein brisantes Papier vorlegen. Auch der Kanzlerinnenkritiker Jens Spahn gibt keine Ruhe. Für Merkel wird es ungemütlicher, direkte Gefahr droht ihr aber nicht. Ein Kommentar.

Ist das die Debatte, die die Union jetzt braucht? Bringt man so Deutschland voran? Jens Spahn haut wieder mal kräftig auf die Pauke und beklagt rechtsfreie Räume in Deutschland. Auf Zwischentöne kommt es ihm nicht an: Hauptsache, er kann der ungeliebten Kanzlerin das Leben schwer machen. Provokation statt Politik, Profilierung statt Lösungssuche – Spahn, im Nebenberuf Gesundheitsminister, kümmert sich vor allem um sich selbst.

Deutlich ernsthafter kommt da schon die Werte-Union daher, die mit einem konservativen Manifest für einen Kursschwenk der Union wirbt. Es ist allerdings unwahrscheinlich, dass die Gruppe eine Zerreißprobe auslösen wird. Dafür ist sie zu klein. Auch ist nicht erkennbar, dass eine Mehrheit in CDU und CSU das Rad in der Familienpolitik zurückdrehen oder die Wehrpflicht wiedereinführen will.

Angela Merkel droht mithin keine direkte Gefahr. Doch fällt auf, wie stark sie etliche Unionsanhänger durch ihren Modernisierungskurs verprellt hat und wie viele es gar nicht mehr abwarten können, dass sie abtritt. Das lässt noch eine Menge lebhafte Diskussionen erwarten. Das ist gut so, wenn es der Sache dient und sich ernsthafte Nachfolgekandidaten profilieren. Es wäre aber schlecht, wenn Spahn, der Meister der platten Provokation, das Niveau der Debatte bestimmen würde.