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04.04.2018, 18:28 Uhr KOMMENTAR

Fall Skripal: Verdächtige Empörung

Kommentar von Burkhard Ewert

Das Archivbild zeigt die in ein kleines Zelt eingekleidete Bank, auf der der Russe Sergej Skripal und seine Tochter Mitte März in England bewusstlos gefunden worden waren. Seither tobt ein diplomatischer Schlagabtausch. Foto: AFPDas Archivbild zeigt die in ein kleines Zelt eingekleidete Bank, auf der der Russe Sergej Skripal und seine Tochter Mitte März in England bewusstlos gefunden worden waren. Seither tobt ein diplomatischer Schlagabtausch. Foto: AFP

Osnabrück. Nur Behauptungen, keine Beweise: Es wäre höchste Zeit, das zu ändern und handfeste Belege anzuführen, weshalb Russland im Fall Skripal so hart beschuldigt wird – und zu erklären, warum die Empörung über die Tat so verdächtig weit über das Ziel hinausschießt. Ein Kommentar.

Ja, wo sind sie denn? Wenn eine staatliche russische Verantwortung oder gar Täterschaft so zweifelsfrei feststeht, wie die Briten und viele andere behaupten, müsste es doch ein Leichtes sein, die Fakten darzulegen, die zu diesem Schluss führen. Eine russische Hilfe bei der Klärung wäre dann überflüssig, die zu erreichen vorgeblich Ziel des Drucks ist. Stattdessen werden gemeinsame Ermittlungen als „perverse“ Idee zurückgewiesen und russische Fragen seinerseits offengelassen. Es bleiben: Behauptungen.

Worum geht es also wirklich? Man muss gar nicht an vermeintliche Massenvernichtungswaffen im Irak denken, um misstrauisch zu werden – und zwar gegenüber der westlichen Lesart und dem mit ihr verbundenen, so unverhältnismäßig erscheinenden Ausmaß der Empörung. Immerhin werfen andere, auch westliche Länder Widersachern Bomben auf den Kopf oder setzen Drohnen auf sie an - regelmäßig kommt es zu gezielten Tötungen. 

Schon klar, russischen Behauptungen ist ebenfalls mit Vorsicht entgegenzutreten. Aber nicht mehr und nicht weniger als den Beschuldigungen derer, die Russland für das Reich des Bösen halten und ihm nicht das Schwarze unter den Nägeln gönnen, von Fußballturnieren und Gaspipelines ganz zu schweigen. Mindestens schlachten sie den Nowitschok-Fall in ihrem Sinne aus.

Sergej Skripal verriet für Geld russische Agenten in Europa an den Westen. Freunde macht man sich so nicht, weshalb auch andere Tatumstände denkbar bleiben. Wenn es also Beweise gibt, dann raus damit. Wenn nicht, sollten die Ermittler ihre Arbeit machen, und zwar ohne fortlaufenden politischen Druck, der der Glaubwürdigkeit von Vorwürfen am Ende mehr schadet als nutzt.

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