Wirtschaft: Oft nur Wechsel Jeder vierte Auszubildende bricht Lehre ab

Von Nina Kallmeier und Beate Tenfelde

Junge Köche oder auch Sicherheitskräfte sowie Friseure gehören zu jenen Auszubildenden, die öfter als andere den Ausbildungsvertrag lösen bezioehungsweise den Betrieb wechseln. Foto: dpa-Junge Köche oder auch Sicherheitskräfte sowie Friseure gehören zu jenen Auszubildenden, die öfter als andere den Ausbildungsvertrag lösen bezioehungsweise den Betrieb wechseln. Foto: dpa-

Osnabrück/Berlin. Jeder vierte Lehrling wirft hin. Die Abbrecherquote bei Azubis liegt mit 25,8 Prozent erstmals über den seit Anfang der 90er-Jahre üblichen Quoten von 20 bis 25 Prozent.

Bei Berufen wie Koch, Restaurantfachkraft oder Friseur hört sogar etwa jeder zweite Auszubildende vor der Abschlussprüfung auf. Das geht aus einem Entwurf des Berufsbildungsberichts 2018 hervor, aus dem die „Süddeutsche Zeitung“ als erste zitiert. Danach sind rund 146000 Ausbildungsverträge in Deutschland 2016 vorzeitig aufgelöst worden.

Am höchsten sei der Anteil der Abbrecher bei angehenden Sicherheitsfachkräften mit 50,6 Prozent, am niedrigsten mit 4,1 Prozent bei Azubis, die Fachangestellte in der Verwaltung werden wollten, heißt es weiter. „Dort, wo die Vergütung besonders niedrig ist, sind die Abbrecherquoten extrem hoch“, sagte dazu Elke Hannack, Vizechefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB). „Viele steigen vorher aus, da sie mit der kargen Vergütung nicht über die Runden kommen.“ Hannack forderte die Bundesregierung deshalb auf, die geplante Mindestvergütung für Azubis rasch durchzusetzen. Ähnlich äußerten sich Linke und Grüne. Die Wirtschaftsverbände lehnen eine Art Mindestlohn für Lehrlinge als Eingriff in die Tarifautonomie ab.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sprach von einem „schiefen Bild“, da sehr viele Auszubildende einen neuen Ausbildungsvertrag in einem anderen Beruf abschlössen. Die tatsächliche Quote derer, die ohne Ausbildung bleiben, bezifferte der DIHK auf zehn bis zwölf Prozent. Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) teilte mit, die Ausbildungsvergütung sei selten der Grund für den Abbruch einer Ausbildung. Generalsekretär Holger Schwannecke betonte, die zunehmende Abbruchquote sei auch auf die steigende Zahl von geflüchteten Auszubildenden zurückzuführen. Sprachdefizite und unzureichende Kenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen führten zu Problemen.

Laut „Süddeutscher Zeitung“ werden Konflikte mit Vorgesetzten, eine mangelnde Ausbildungsqualität sowie falsche Berufsvorstellungen als Gründe für den Azubi-Ausstieg genannt. Der CDU-Wirtschaftsrat forderte eine bessere Berufsvorbereitung in Schulen , um die hohe Abbrecherquote bei der Lehrlingsausbildung zu verringern. „Angesichts akuten Fachkräftemangels müssen wir alles tun, um Nachwuchs zu gewinnen und zu halten“, sagte Generalsekretär Wolfgang Steiger unserer Redaktion. Es sei nicht hinnehmbar, dass aktuell für mehr als ein Viertel aller Auszubildenden der Start ins Berufsleben mit einem Misserfolg endet . „Dies kann demotivierend für den gesamten weiteren Werdegang eines jungen Menschen sein. Umso entschlossener muss die Politik hier gegensteuern“, sagte Steiger.

Er forderte die Bundesländer ferner auf, schon Schülern viel bessere Kenntnisse über die einzelnen Berufsfelder zu vermitteln. Gleichzeitig müssten die Schulen Mädchen und Jungen wesentlich bessere Grundkenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen und damit eine solide Ausbildungsfähigkeit vermitteln. „Das sind wir den jungen Menschen schuldig, damit sie nicht aus Frustration über eigene Fehler eine Ausbildung hinschmeißen“, sagte der Generalsekretär, der 12 000 Unternehmer und Führungskräfte vertritt. Nach den Worten von Steiger entwickelt sich Fachkräftemangel zum Wachstumshemmnis Nr. 1 in Deutschland. Bereits heute fehlten allein in naturwissenschaftlichen und technischen Berufen rund 290000 Arbeitskräfte.