Ein Bild von Melanie Heike Schmidt
03.04.2018, 20:03 Uhr KOMMENTAR

Putin trifft Erdogan zu Syrien-Gesprächen: Strategische Freunde

Von Melanie Heike Schmidt


Handeschütteln unter strategischen Freunden: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (links) empfängt Russlands Präsident Wladimir Putin (rechts). Foto: AFPHandeschütteln unter strategischen Freunden: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan (links) empfängt Russlands Präsident Wladimir Putin (rechts). Foto: AFP

Osnabrück. Als Ziel für seinen ersten Auslandsbesuch nach der Wiederwahl wählte Russlands Präsident Putin Ankara, die Hauptstadt der Türkei. Kein Wunder, denn mit seinem türkischen Amtskollegen Erdogan verbindet Putin eine zumindest strategische Freundschaft. Dabei verfolgen beide unterschiedliche Interessen. Wie kann das sein?

Sie sind charismatisch, gewieft und haben ein Faible für autokratische Politik. Und sie stehen international in der Kritik. So betrachtet, hat der Besuch von Russlands Präsident Wladimir Putin bei seinem türkischen Amtskollegen Recep Tayyip Erdogan eine klare Botschaft: Seht her, während die EU zögert und die USA sich aus Syrien zurückziehen wollen, beweisen Russland und die Türkei Stärke und versuchen das scheinbar Unmögliche: Syrien zu befrieden. Und das, obwohl Putin Verbündeter Assads ist und Erdogan die Rebellen stützt.

Tatsächlich bietet die Gemengelage Raum für Deals: Ankara kann Moskau versprechen, nicht auf Assads Sturz zu bestehen. Als Zuckerstücke dienen Wirtschaftsabkommen, etwa die Pipeline, die russisches Gas an die Türkei liefert, oder das AKW, das die Russen dort bauen. Umgekehrt kann Putin helfen, die Pufferzone zwischen der Türkei und syrischen Kriegsgebieten zu erhalten, um dort syrische Flüchtlinge, die in der Türkei für Spannungen sorgen, unterzubringen. Nebenbei könnte Erdogan dort auch die verhassten Kurden in Schach halten.

So werden aus Gegnern strategische Freunde. Eine Entwicklung, die dem Westen Fragen aufgeben sollte. Etwa die: Wie zielführend ist eine Politik, die auf Kritik fußt? Wer Frieden will, muss ins Gespräch kommen – auch mit Gegnern.


Der Artikel zum Kommentar

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN