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03.04.2018, 14:26 Uhr BEWERBERREKORD BEI POLIZEI

Warum Polizist nur ein bisschen ein Traumberuf ist

Kommentar von Marion Trimborn

Traumberuf Polizist? Die Polizei hat einen Bewerberrekord verzeichnet. Foto: dpaTraumberuf Polizist? Die Polizei hat einen Bewerberrekord verzeichnet. Foto: dpa

Osnabrück. Viele junge Menschen wollen Polizist werden. Die Polizei buhlt um Bewerber, macht sich aber auch selbst Konkurrenz. Doch dabei dürfen die Ansprüche nicht gesenkt werden. Ein Kommentar

Die Polizei gilt als Helfer in schwierigen Zeiten - genau das macht sie in diesen Zeiten für junge Leute attraktiv. Die Terrorgefahr und die Debatte um die innere Sicherheit haben dazu beigetragen, dass man sich zurückbesinnt, welchen Wert die Polizei hat. Polizisten haben hohes Sozialprestige, gelten als bürgernah und stehen für Recht und Ordnung. Klar, dass Berufsanfänger auch die Aussicht auf eine Verbeamtung schätzen. Bund und Länder rühren die Werbetrommel für tausende neue Stellen und in jedem Fernseh-Krimi sind Polizisten die großen Helden.

Doch da liegt auch das Problem. Manch einer hat falsche Vorstellungen, ist nicht auf Gewalt wie beim G20-Gipfel oder Übergriffe vorbereitet, viele springen ab. Ein Bewerberrekord bei der Polizei sagt auch noch nichts über die Qualität der Kandidaten aus. Diese scheint eher zu sinken. Es kommt aber nicht darauf an, möglichst viele Polizisten einzustellen, sondern möglichst gute. Also Leute, die körperlich fit und intelligent sind, digital gebildet und mit hoher sozialer Kompetenz. Auch sollte der Anteil von Polizisten mit ausländischen Wurzeln erhöht werden, denn das erleichtert den Umgang mit Migranten ganz erheblich. Bei all dem dürfen die Qualifikationsanforderungen nicht gesenkt werden, nur um möglichst schnell leere Stellen zu besetzen. Das hätte auf die Dauer verhängnisvolle Auswirkungen.

Problematisch ist auch der Wettbewerb der Bundesländer um die besten Köpfe. Polizei ist Ländersache. Das führt dazu, dass in NRW und Bayern ein Polizist zur Zeit rund 500 Euro brutto mehr im Monat verdient als in Berlin. Ob da die Sicherheitslage überall gleich gut bleibt?


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