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02.04.2018, 16:49 Uhr KOMMENTAR ZU NAHOSTKONFLIKT

Gefangen in Gaza: Das Dilemma der Palästinenser

Kommentar von Katharina Ritzer

Diese Frauen trauern um einen Mann, der bei den gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten getötet wurde. Die Lage im Nahen Osten droht zu eskalieren. Foto: AFP/ Said KhatibDiese Frauen trauern um einen Mann, der bei den gewalttätigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten getötet wurde. Die Lage im Nahen Osten droht zu eskalieren. Foto: AFP/ Said Khatib

Osnabrück. Nach den tödlichen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Soldaten wächst die Sorge um eine weitere Eskalation in Nahost. Dabei verläuft die Frontlinie nicht nur zwischen diesen beiden Kontrahenten, sondern vor allem auch innerhalb des palästinensischen Volks. Ein Kommentar.

Die wichtigste Front im Konflikt um den Gazastreifen verläuft nicht etwa zwischen dem palästinensischen Gebiet und Israel, auch wenn das israelische „Prinzip der eisernen Mauer“ mit aller Härte durchgesetzt wird. Diese harte Hand kann übrigens niemanden überraschen, denn die Israelis haben ihr Recht auf den Schutz ihrer Grenze so deutlich proklamiert, wie sie es jetzt durchsetzen.

Die wichtigste Front verläuft auch nicht zwischen Israel und der Türkei, auch wenn der heftige verbale Schlagabtausch dies nahelegen könnte: Immerhin greift der türkische Präsident Erdogan den israelischen Regierungschef Netanjahu persönlich als „Terroristen“ an und spricht von einem „Massaker“ der israelischen Armee. Was Netanjahu mit dem Vorwurf kontert, die Türkei führe selbst Krieg gegen eine Zivilbevölkerung und unterstütze zudem die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Hamas.

Nein, die wichtigste Front verläuft im Gazastreifen selbst – und zwar zwischen der Hamas und der planlosen palästinensischen Regierung von Präsident Abbas in Ramallah. Mit dem Scheitern des Versöhnungsprozesses in Palästina ist auch jede Hoffnung der zwei Millionen Menschen gescheitert, die Tag für Tag um Wasser und Strom bangen müssen. Ohne einen Hauch von Einigung unter den Palästinensern selbst gibt es nämlich keine überlebensnotwendigen Arbeitsgenehmigungen für Ägypten oder Israel, da sich die Nachbarn verständlicherweise keinen Terror ins Land holen wollen. Gelingt den Palästinensern keine innere Aussöhnung, bleiben sie Gefangene. Und der Gazastreifen ihr Gefängnis.


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