Südkoreanische Stars in Nordkorea Trotz Manöver und Sanktionen: Annäherung im Korea-Konflikt

Von dpa

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Kim Jong Un (l.), Machthaber von Nordkorea, winkt neben Do Jong-whan, Kultur-, Sport- und Tourismusminister von Südkorea, nach einer Aufführung südkoreanischer Pop-Stars am Großen Theater von Ost-Pjöngjang. Eine südkoreanische Delegation, die am Samstag nach Pjöngjang gereist war, umfasst neben in Südkorea gefeierte Popstars, wie die Girlgroup Red Velvet, auch Regierungsvertreter, ein Taekwondo-Showteam und Journalisten. Foto: dpa/kyodoKim Jong Un (l.), Machthaber von Nordkorea, winkt neben Do Jong-whan, Kultur-, Sport- und Tourismusminister von Südkorea, nach einer Aufführung südkoreanischer Pop-Stars am Großen Theater von Ost-Pjöngjang. Eine südkoreanische Delegation, die am Samstag nach Pjöngjang gereist war, umfasst neben in Südkorea gefeierte Popstars, wie die Girlgroup Red Velvet, auch Regierungsvertreter, ein Taekwondo-Showteam und Journalisten. Foto: dpa/kyodo

Seoul/Pjöngjang. Als ein weiteres Zeichen der Annäherung zwischen beiden koreanischen Staaten sind erstmals seit mehr als zehn Jahren wieder südkoreanische Popstars in Nordkorea aufgetreten.

Machthaber Kim Jong Un zeigte sich „tief bewegt“. Nur wenige Stunden zuvor hatten die Streitkräfte Südkoreas und der USA ihre größten jährlichen Militärmanöver begonnen. Die beiden verbündeten Länder halten regelmäßig Manöver ab, um ihre Bereitschaft für einen Konflikt auf der koreanischen Halbinsel zu testen. Bereits am Freitag hatten die Vereinten Nationen wegen Verstößen gegen das Handelsembargo ihre schwarze Liste gegen Nordkorea erweitert.

Machthaber Kim habe mit seiner Frau Ri Sol Ju, seiner Schwester Kim Yo Jong und weiteren Funktionären das Konzert am Sonntagabend in Pjöngjang besucht, berichteten die Staatsmedien am Montag. Die Show, die unter dem Motto „Der Frühling kommt“ im Großen Theater im Osten Pjöngjangs stattfand, nutzte Kim zu einem propagandawirksamen Auftritt. Die Musik habe sein „Verständnis der Populär-Kunst auf südlicher Seite“ vertieft, wurde Nordkoreas Diktator zitiert. Der Besuch der Künstler sei eine bedeutende Gelegenheit, die Einheit der Nation zu demonstrieren. Die Künstlertruppe habe den „Frühling des Friedens“ gebracht.

Die Zuschauer hätten „enthusiastisch“ gejubelt, als Kim mit dem südkoreanischen Kulturminister Do Jong Hwan und anderen Gästen auf der Theatergalerie erschienen sei, hieß es. Bilder südkoreanischer Medien zeigten, wie der im dunklen Mao-Anzug gekleidete Kim klatschte und der Menge zuwinkte.

Nach Berichten der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap soll er der erste der drei bisherigen nordkoreanischen Machthaber aus der Herrscher-Dynastie der Kims gewesen sein, der einem Konzert von Musikern des Nachbarlandes beigewohnt hat. Nach dem Konzert posierte Kim mit einigen südkoreanischen Musikern.

Die Show kam als Folge der Annäherung beider Länder seit Anfang des Jahres zustande. Die 120-köpfige südkoreanische Delegation, die am Samstag angereist war, umfasst neben in Südkorea gefeierten Popstars (K-Pop) wie den Sänger Cho Yong und die Girlgroup Red Velvet auch Regierungsvertreter und ein Taekwondo-Showteam.

Mit den Auftritten der Musiker, die am Dienstag in der nordkoreanischen Hauptstadt ein weiteres Konzert geben, setzen beide Länder den Kulturaustausch fort, den sie bei den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang im Februar wieder aufgenommen hatten. Nordkorea hatte für das Rahmenprogramm der Spiele unter anderem ein großes Orchester geschickt.

Wegen der Winterspiele hatten Südkorea und die USA auch den Beginn ihres großen, sonst zwei Monate dauernden Frühjahrsmanövers „Foal Eagle“ um einige Wochen verschoben. Das Manöver werde jetzt etwa vier Wochen dauern, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul mit. Frühere Manöver dauerten doppelt so lange.

Die Übungen hatten in den vergangenen Jahren immer wieder heftige Proteste der kommunistischen Führung Nordkoreas ausgelöst, die den USA Angriffsvorbereitungen unterstellt hatte. Dies bestreiten Washington und Seoul.

Beide Seiten hatten im März angekündigt, ihr diesjähriges Frühjahrsmanöver werde ähnlich umfangreich sein wie in den vergangenen Jahren, als bis zu 300.000 südkoreanische und mehr als 10.000 US-Soldaten teilnahmen. Das Manöver begann gut einen Monat vor einem geplanten Treffen zwischen dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un im Grenzort Panmunjom. Moon will dabei auch über Schritte zum Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms sprechen. Beide Staaten hatten sich seit Jahresbeginn nach starken Spannungen wegen nordkoreanischer Raketen- und Bombentests im vergangenen Jahr wieder angenähert.

Das von der nordkoreanischen Regierung zur Verfügung gestellte Foto zeigt Kim Jong Un (r.), Machthaber von Nordkorea, der mit einer Künstlergruppe aus Südkorea spricht. Foto: Uncredited/KCNA via KNS/dpa

Die Vereinten Nationen fügten eine Reihe von Unternehmen und Schiffen sowie einen Geschäftsmann zu einer schwarzen Liste gegen Nordkorea hinzu. Betroffen sind einer UN-Mitteilung zufolge 21 Schiffsunternehmen sowie 27 Schiffe aus Nordkorea und anderen Staaten. Die USA hatten das zuständige Sanktionskomitee der UN um die Verschärfung der bereits bestehenden Maßnahmen gebeten.


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