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30.03.2018, 16:51 Uhr KOMMENTAR ZUM FALL SKRIPAL

Streit mit Russland: Zeit für Vermittler

Kommentar von Erhard Böhmer

Auch die deutsche Botschaft in Moskau trifft die russische Strafaktion. Foto: dpaAuch die deutsche Botschaft in Moskau trifft die russische Strafaktion. Foto: dpa

Osnabrück. Auge um Auge, Zahn um Zahn? Russland zahlt im diplomatischen Gezerre mit dem Westen mit gleicher Münze zurück und weist seinerseits Dutzende Botschaftsmitarbeiter aus. Auch Deutschland trifft es.

Nachdem sich der diplomatische Streit zwischen dem Westen und Russland immer weiter dreht, drängt sich die Frage auf, ob irgendjemand das Problem mal vom Ende her denkt.

Variante eins: Eine russische Verantwortung für den Anschlag auf den Ex-Spion Skripal wird von Großbritannien nicht nur behauptet, sondern belegt. Dann, ja, was dann? Weitere, noch härtere Sanktionen gegen Russland? Es sei daran erinnert, dass die wirtschaftlichen Strafaktionen nach der Krim-Krise, bis heute wenig bis keinen Effekt gezeigt haben.

Variante zwei: Auch unabhängige Experten, beispielsweise der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW), legen keine schlüssigen Beweise vor, die für eine Täterschaft Russlands sprechen. Was dann? Verschämt den Rückzug antreten?

Solange keine glasklaren Beweise veröffentlicht sind, schlägt weiter die Stunde der Verschwörungstheoretiker, die auch die Frage stellen, wer eigentlich von dem ganzen Theater profitiert: Premierministerin Theresa May, die von dem Brexit-Desaster ablenken kann? Die USA, die für Russland als Gaslieferant einspringen wollen?

Klüger agiert Bulgarien, das gerade den EU-Ratsvorsitz innehat. Sofia will ohne Beweise keine Strafen aussprechen. Ähnlich hat sich der österreichische Kanzler Sebastian Kurz geäußert. Damit wären schon einmal zwei Kandidaten für eine Vermittlerrolle gefunden.


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