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29.03.2018, 12:28 Uhr KOMMENTAR ZUR WAHL IN ÄGYPTEN

Die Stabilität am Nil ist trügerisch

Kommentar von Katharina Ritzer

Diese jungen Männer zeigen in Kairo per T-Shirt ihre Unterstützung für Ägyptens Präsident al-Sisi. Mit sagenhaften 90 Prozent soll dieser nun wiedergewählt worden sein – kaum verwunderlich, es gab nur einen pro forma aufgestellten Gegenkandidaten. Foto: dpaDiese jungen Männer zeigen in Kairo per T-Shirt ihre Unterstützung für Ägyptens Präsident al-Sisi. Mit sagenhaften 90 Prozent soll dieser nun wiedergewählt worden sein – kaum verwunderlich, es gab nur einen pro forma aufgestellten Gegenkandidaten. Foto: dpa

Osnabrück. Fast komplett unter dem Radar ist die Wahl in Ägypten abgelaufen. Und das ist, neben dem prognostizierten Ergebnis von unfassbaren 90 Prozent, der eigentliche Erfolg des Autokraten Abdel Fattah al-Sisi. Von Stabilität kann dennoch keine Rede sein, im Land am Nil brodelt eine vertraute explosive Mischung. Ein Kommentar.

Mit Unterstützung der Armee regiert al-Sisi die fast 100 Millionen Ägypter. Und diese Wähler hatten bei der Wahl eigentlich keine: Der einzige Gegenkandidat kam aus der systemkonformen Ghad-Partei und diente nur der Simulation einer Auswahl.

Dem Westen und auch Deutschland gilt offenbar ein stabiles Ägypten in einer Krisenregion als Wert an sich. Anders sind die deutschen Rüstungsexporte mit einem Rekordumfang von mehr als 700 Millionen Euro im vergangenen Jahr nicht zu erklären. Doch der Preis der vermeintlichen Stabilität ist hoch: Journalisten, Oppositionelle und Gewerkschafter sitzen im Land am Nil ohne Urteile jahrelang im Gefängnis oder verschwinden gleich ganz, Homosexuelle und Atheisten werden verfolgt – alles massive Verfehlungen, die der Westen aus gutem Grund bei Putin oder Erdogan anprangert, bei al-Sisi aber ignoriert.

Dabei sitzt der ägyptische Autokrat keineswegs so fest im Sattel, wie der Westen vielleicht hofft und wie das Wahlergebnis vorgaukeln soll. Steigende Lebensmittelpreise, eine Jugend ohne Perspektive, Polizeiwillkür und die dauernden Terroranschläge der Islamisten besonders auf dem Sinai, die in den westlichen Medien schon längst nicht mehr beachtet werden – das ist die gleiche explosive Mischung, die vor sieben Jahren auch schon Langzeitdiktator Hosni Mubarak hinweggefegt hat.


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