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28.03.2018, 16:42 Uhr KOMMENTAR ZU NORDKOREA

Besuch in China: Kims Kalkül geht auf

Von Katharina Ritzer


Versuch einer Wiederannäherung: Chinas Machthaber Xi Jingping (links) und der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un probten in Peking demonstrativ den Schulterschluss. Foto: imago/UPI PhotoVersuch einer Wiederannäherung: Chinas Machthaber Xi Jingping (links) und der nordkoreanische Diktator Kim Jong Un probten in Peking demonstrativ den Schulterschluss. Foto: imago/UPI Photo

Osnabrück. Mit seinen Alleingängen bei Atom- und Raketentests hat Nordkoreas Diktator Kim Jong Un den Nachbarn China verärgert. Nun proben der kleine und der große Bruder plötzlich wieder den Schulterschluss. Das offenbart Chinas Machtanspruch auf der koreanischen Halbinsel ebenso wie Kims Kalkül. Ein Kommentar.

Diese speziellen Frisuren, diese übertrieben inszenierten Auftritte, diese irrlichternden Sprüche – Kim Jong Un und Donald Trump haben viel gemeinsam. Die Welt reagiert auf beide Präsidenten mit Spott, wobei Trump aber allein schon wegen der weltpolitischen Bedeutung Amerikas ernst genommen werden muss. Der nordkoreanische Diktator hingegen wurde und wird gerne als Witzfigur dargestellt. Was für ein Irrtum.

Beim Blick zurück wird nun die durchdachte Strategie deutlich, die Kim seit Jahren verfolgt. Erst nuklear aufrüsten, koste es politisch und wirtschaftlich, was es wolle, und dafür sogar eine Eiszeit mit dem großen Bruder China in Kauf nehmen. Dann die übermächtigen USA so lange triezen, bis es nach Augenhöhe aussieht und Donald Trump tatsächlich zum Gespräch bittet. Und jetzt schnell noch rechtzeitig vorher mit China wieder auf Kuschelkurs gehen, damit Peking sich nicht übergangen fühlt bei Machtfragen in seinem Hinterhof.

Bis jetzt ist Kim der klare Gewinner, der seinem kleinen Land deutlich mehr politisches Gewicht verschafft hat, als ihm eigentlich zusteht. Er wird schlau genug sein, dieses Gewicht auch in einen wirtschaftlichen Aufschwung Nordkoreas umzumünzen. Dafür braucht er China als wichtigsten Handelspartner dringend – und den Aufschwung selbst zum dauerhaften eigenen Machterhalt.


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