Bundeswehr-Kasernen umbenannt Wehrbeauftragter fordert Traditionswechsel mit Augenmaß

Von Marion Trimborn

Welche Vorbilder soll die Bundeswehr haben? Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels fordert Außenmaß beim Traditionswechsel. Foto: dpaWelche Vorbilder soll die Bundeswehr haben? Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels fordert Außenmaß beim Traditionswechsel. Foto: dpa

Osnabrück. Mit einer Kasernen-Umbenennung leitet Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) den Traditionswechsel bei der Bundeswehr ein. Die Wehrmacht soll als Institution nicht mehr traditionsstiftend für die Bundeswehr sein. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels mahnt Augenmaß bei dem Vorhaben an.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Bartels: „Es geht nicht darum, alle Erinnerungsstücke an frühere Zeiten und ganze Sammlungen wegzuräumen.“ Es sei wichtiger, historische Gegenstände einzuordnen und für das Lernen zu nutzen, ohne sich in dessen geistige Tradition zu stellen.

Maßvolle Umbenennung von Kasernen

Auch die Umbenennung von Kasernen muss nach Ansicht des Wehrbeauftragten maßvoll vorgenommen werden. Bartels hält es für richtig, dass die Generalfeldmarschall-Rommel-Kaserne im nordrhein-westfälischen Augustdorf ihren Name behalten soll. Bartels sagte: „Es gibt immer Grenzfälle, wo die historische Forschung nicht absolut eindeutig ist.“ Der Wehrmachtsoffizier Rommel, der im Zweiten Weltkrieg mit seinem Einsatz in Afrika einen Namen als „Wüstenfuchs“ machte, habe wohl auch eine Rolle im Widerstand gehabt. „Die deutsche Geschichte ist voller Menschen mit gebrochenen Biographien“, sagte der SPD-Politiker. Das gelte etwa auch für NVA-Soldaten, die in die Bundeswehr eingetreten seien.

Wehrbeauftragter begrüßt Traditionserlass

Grundsätzlich begrüßte Bartels den Traditionserlass. „Er macht klar, dass Wehrmachts-Feldherren des Zweiten Weltkrieges wie Dietl oder Konrad keine Vorbilder und Namensgeber mehr sein dürfen. Diese Rolle sollten moderne Helden einnehmen, zum Beispiel auch Soldaten, die besondere Tapferkeit in Afghanistan gezeigt haben.“ Vorbilder gebe es genug: „Der letzte Traditionserlass ist von 1982. Seitdem ist so viel passiert.“ Bartels geht davon aus, dass „allenfalls eine Handvoll Kasernen“ noch Diskussionen um eine mögliche Umbenennung führen: „Es geht nur noch um fünf bis sechs Namen.“ Dazu zählt das Verteidigungsministerium etwa die Lent-Kaserne in Rotenburg (Wümme), die nach dem von der Wehrmacht gefeierten Weltkriegsflieger Helmut Lent benannt wurde, oder die Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst, die nach dem Panzerjäger Diedrich Lilienthal benannt ist.

Kaserne in Hannover umbenannt

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) benannte am Mittwoch die Emmich-Cambrai-Kaserne um - nach einem in Hannover stationierten und in Afghanistan gestorbenen Feldjäger. Die Kaserne heißt künftig Hauptfeldwebel-Lagenstein-Kaserne. Damit trägt eine Kaserne erstmals den Namen eines im Auslandseinsatz getöteten Bundeswehrsoldaten. Basis dafür ist der neue Traditionserlass der Bundeswehr.