Fast 87 Jahre in der Partei Dienstältestes SPD-Mitglied Luise Nordhold tot

Von Eckhard Stengel

Fast 87 Jahre in der SPD: Die Bremerin Luise Nordhold, dienstältestes Mitglied der Sozialdemokraten, ist gestorben. Foto: Eckhard StengelFast 87 Jahre in der SPD: Die Bremerin Luise Nordhold, dienstältestes Mitglied der Sozialdemokraten, ist gestorben. Foto: Eckhard Stengel

Bremen. Fast 87 Jahre lang in der SPD: Diesen bundesweiten Rekord hielt die Bremerin Luise Nordhold. Jetzt ist das dienstälteste SPD-Mitglied im Alter von 101 Jahren gestorben.

Als Luise Nordhold 1917 im Bremer Arbeiterstadtteil Gröpelingen geboren wurde, durften Frauen in Deutschland noch nicht mal zur Wahl gehen. Ihre Eltern, eine Hausschneiderin und ein klassenkämpferischer Werftarbeiter, prägten sie schon früh politisch. Als Jugendliche demonstrierte Nordhold mit roten Fahnen gegen die Nazis. Nach dem SPD-Verbot 1933 sammelte sie heimlich Geld für die Familien inhaftierter Genossen.

Lebenslanger Einsatz für Benachteiligte

1944 wurde sie ausgebombt. Sie zog nach Ihlpohl bei Bremen, engagierte sich dort für den Wiederaufbau ihrer Partei und ließ sich in den Gemeinderat wählen. Auch in der Arbeiterwohlfahrt setzte sich die Handarbeitslehrerin und dreifache Mutter für andere ein. „Sie kümmerte sich um Benachteiligte, Einsame und Alleinstehende“, schreibt das Onlineportal der SPD-Mitgliederzeitschrift „Vorwärts“ in einem Nachruf.

Bis zuletzt verfolgte Nordhold mit wachem Geist die aktuelle Politik – auch wenn sie kaum noch hören und lesen konnte. Im März 2017, bei der Vorstellung einer Biografie, äußerte sie Angst vor der AfD und wünschte sich eine stärkere Gleichberechtigung der Frauen. Als politisches Vorbild nannte sie Ex-Kanzler Willy Brandt. Aber auch den einstigen SPD-Chef Kurt Schumacher hielt sie hoch in Ehren – anders als den späteren Kanzler Gerhard Schröder: Nordhold haderte mit seiner Agenda 2010.

„Nicht nur zu Wahlen unters Volk“

Der SPD riet sie, sich wieder mehr den „kleinen Leuten“ zuzuwenden: „Unsere Obrigkeit darf nicht nur zu Wahlen unters Volk gehen“, sagte sie bei der Buchvorstellung und sang zwischendurch Arbeiter- und Friedenslieder, textsicher bis zur letzten Strophe.

Am kommenden 1. April wäre Nordhold 87 Jahre lang Parteimitglied gewesen. Laut „Vorwärts“ stimmte sie zuletzt noch bei der SPD-Mitgliederbefragung für die Große Koalition. Aber sie habe auch deutlich gemacht, dass die Partei sich auf ihre Tugenden und ihre Herkunft besinnen und sich erneuern müsse.

Zehn Tage nach ihrem 101. Geburtstag starb Luise Nordhold jetzt in einem Bremer Alten- und Pflegeheim. Sie hinterlässt drei Kinder, fünf Enkel und drei Urenkel.