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27.03.2018, 15:15 Uhr KOMMENTAR ZU SIEGEL-PLÄNEN

So ein Tierwohllabel ist nur gut fürs Gewissen

Kommentar von Dirk Fisser

Diesem Schwein geht es offensichtlich gut. Foto: Gert WestdörpDiesem Schwein geht es offensichtlich gut. Foto: Gert Westdörp

Osnabrück. Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will das geplante freiwillige staatliche Tierwohlsiegel weiter vorantreiben. Derweil prescht Lidl mit einer eigenen Lösung vor. Dazu ein Kommentar.

Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner macht da weiter, wo ihr Vorgänger aufgehört hat: mit Ankündigungen. Die Aussagen der CDU-Politikerin zum geplanten freiwilligen Tierwohllabel stammen aus der Wiedervorlage des Ministeriums. Verbraucher und Bauern bleiben ratlos zurück, was genau die Regierung hinsichtlich Fleischkennzeichnung plant und wann es an die Umsetzung geht.

Andere sind schneller wie jetzt etwa Lidl mit seinem „Haltungskompass“, der Verbrauchern Orientierung geben soll. Das Gegenteil passiert: Durch die Vielzahl an Siegeln wird nur weitere Verwirrung gestiftet. Warum das Engagement? Die Handelsriesen preschen nicht vor, weil sie ihr Herz für Tiere entdeckt hätten. Nein, mit dem guten Gewissen der Verbraucher lässt sich Geld verdienen. Wenn künftig ein Tierwohlsiegel auf dem Suppenhuhn für einen Euro prangt, ist das Gewissen beruhigt. Den Preis zahlt dann halt der Bauer.

Übrigens: Konsequent ist ein Tierwohllabel nur dann, wenn es erstens verpflichtend ist und zweitens alle fleischhaltigen Lebensmittel abdeckt und nicht nur die Frischware. Beides ist beim staatlichen Siegel nicht der Fall. So wird auch weiter Billigfleisch auf deutschen Tellern landen. Vielleicht aus dem Stall in der Nachbarschaft, vielleicht aber auch aus Asien oder Südamerika.


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