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Ex-Ministerin Künast lobt Lidl Grüne: Mehr Tempo des Bundes bei Tierwohl-Kennzeichnung

Von Dirk Fisser und Beate Tenfelde

Wie ging es dem Tier auf dem Bauernhof? Tierwohlsiegel sollen darüber Auskunft geben. Foto: dpaWie ging es dem Tier auf dem Bauernhof? Tierwohlsiegel sollen darüber Auskunft geben. Foto: dpa

Osnabrück. Die neue Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner will das geplante freiwillige staatliche Tierwohlsiegel weiter vorantreiben. Derweil prescht Lidl mit einer eigenen Lösung vor. Grünen-Politikerin Renate Künast fordert deswegen mehr Tempo vom Bund.

Ihr Vorgänger Christian Schmidt (CSU) hatte es nicht mehr umsetzen können, jetzt übernimmt Julia Klöckner: Sie will mit einem staatlichen Tierwohllabel auf Fleischpackungen künftig dem Verbraucher Orientierung über Haltungsbedingungen geben. Trotz allem solle es weiterhin „preiswertes Fleisch“ in den Supermärkten geben, sagte die CDU-Politikerin der „Rheinischen Post“. Mit dem geplanten staatlichen Label könnten Verbraucher aber entscheiden, „was ihnen Tierwohl auch im Preis wert ist“. Klöckner will mit dem Siegel nicht nur Haltungsbedingungen, sondern auch die Transportdauer zum Schlachthof verdeutlichen, kündigte sie an. (Weiterlesen: Weiter warten aufs Tierwohllabel)

Die Ministerin verwies darauf, dass es mittlerweile eine Reihe von Initiativen und Siegeln gebe. Verlässlichkeit und Übersicht gebe es aber nur mit einem staatlichen Label. Der Discounter Lidl etwa will ab kommender Woche ein vierstufiges Label auf seine Fleischverpackungen drucken. Stufe 1 sollen die gesetzlichen Mindeststandards garantieren, Stufe 4 entspreche „Bio“.

Lob vom Tierschutzbund und den Grünen

Thomas Schröder vom Tierschutzbund sagte: „Auch wenn die Kriterien im Detail immer noch ehrgeiziger sein könnten und an einigen Stellen noch Verbesserungsbedarf besteht: Die Lidl-Initiative ist und muss Vorbild für andere Handelsunternehmen sein.“ Auch die Bundesregierung sollte sich daran orientieren. Der Tierschutzbund bietet selbst ein mehrstufiges Tierwohllabel an.

Lob kam auch von den Grünen. Verbraucherexpertin Renate Künast begrüßte den Einstieg in die Haltungskennzeichnung und forderte nun neben anderen Händlern auch die Bundesregierung zu mehr Tempo auf. „Damit nimmt der Handel den Wunsch der Kunden nach Information schneller ernst als die Landwirtschaftsministerinnen und –minister der Union, die bisher nur vage Ankündigungen machen“, sagte Künast unserer Redaktion.

Die frühere Verbraucherministerin nannte die Kennzeichnung der Haltungsbedingungen im Stall „ lange überfällig“. Kunden wollten einen hohen Standard. Es reiche nicht nur, ein besseres Klima im Stall zu haben. „Das Motto lautet: Die Sau muss raus! Und das muss man beim Einkauf einfach erkennen können“, forderte die Grünen-Politikerin und mahnte beim Gesetzgeber eine „ambitionierten Lösung“ an. Die Lidl-Maßnahme kann nach den Worten von Künast nur ein vorläufiger Schritt sein. Laut einer Greenpeace-Umfrage wünschten sich die meisten Supermärkte eine klare, gesetzlich verpflichtende Tierhaltungskennzeichnung. „Die Verbraucherinnen und Verbraucher haben zu recht genug von Bildern, die gequälte Tiere zeigen“, betonte Künast.

Grünen-Politikerin Renate Künast , Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz des Bundestages, macht Druck bei der Tierwohl-Kennzeichnung von Fleisch. Foto: dpa

Der Fleischkonsum insgesamt ist in Deutschland rückläufig. Im Jahr 2017 aßen die Deutschen nach amtlichen Zahlen noch 59,73 Kilo pro Kopf. Besonders Schweinefleisch scheint aus der Mode.