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25.03.2018, 19:08 Uhr KOMMENTAR ZU CARLES PUIGDEMONT

Warum der katalanische Rebell vor Gericht gehört

Kommentar von Michael Clasen

Ihm droht in Spanien eine langjährige Haftstrafe: Carles Puigdemont. Foto: AFPIhm droht in Spanien eine langjährige Haftstrafe: Carles Puigdemont. Foto: AFP

Osnabrück. Die Flucht des Separatistenführers Carles Puigdemont hat in Deutschland ein Ende gefunden. Warum der 55-Jährige sein sicheres Exil in Belgien verlassen hat, um in Finnland aufzutreten, bleibt rätselhaft.

Offenbar hat sich der Katalane nach seiner gescheiterten Unabhängigkeitsbewegung abermals gründlich verspekuliert. Oder hat Puigdemont geglaubt, alle Mitglieder der EU würden wie Belgien den europäischen Haftbefehl ignorieren?

Warum die finnische Polizei nicht zugriff, muss geklärt werden. Die deutschen Sicherheitsbehörden haben jedenfalls richtig gehandelt. Nach den Hinweisen des spanischen Geheimdienstes blieb ihnen gar keine Wahl, als Puigdemont nach seiner Einreise festzunehmen. Alles andere wäre ein beispielloser Affront gegen die Zentralregierung in Madrid gewesen. Für die Idee einer geeinten Europäischen Union war es schon schlimm genug, dass Belgien den Separatisten vor der spanischen Justiz geschützt hat. Jetzt sollte Deutschland Puigdemont so schnell wie möglich ausliefern.

Spanien stehen unruhige Prozesstage bevor, begleitet von Protesten und Streiks in Katalonien. Ob sich Puigdemont der Rebellion schuldig gemacht hat, muss das Gericht entscheiden. Ihm drohen drakonische Strafen. Eines sollten aber Puigdemonts Richter strafmildernd beherzigen: Zu Gewalt haben die Separatisten nie aufgerufen.