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25.03.2018, 17:19 Uhr MINISTERIN GIFFEY

Gleiches Geld für Erzieher und Lehrer nur unter einer Bedingung

Von Marion Trimborn


Ministerin Giffey fordert ein höheres Gehalt für Erzieher. Foto: dpaMinisterin Giffey fordert ein höheres Gehalt für Erzieher. Foto: dpa

Osnabrück. Bundesfamilienministerin Franziska Giffey fordert mehr Wertschätzung für die pädagogische Arbeit mit Kleinkindern. Deshalb will die SPD-Politikerin Erzieher so gut bezahlen wie Grundschullehrer. Dabei lässt die Ministerin aber einiges außer acht. Ein Kommentar

Sind Erzieher nicht einfach Helden des Alltags - schlecht bezahlt und zu wenig wertgeschätzt? Die frisch gebackene Familienministerin Giffey trifft mit ihrer Forderung nach mehr Geld für Erzieher den Nerv vieler Eltern. Doch wie das finanziert werden soll, sagt Giffey nicht. Würden dann etwa auch die Kita-Gebühren steigen?

Zudem macht es sich die Ministerin zu einfach. Nicht nur wegen der schlechten Bezahlung - die zuletzt in sechs Jahren übrigens um 30 Prozent gestiegen ist - ist der Beruf unattraktiv. Mangelnde Anerkennung, Dauerstress und die fehlenden Aufstiegschancen sind genau so ein Grund. Auch deshalb verirrt sich kaum ein Mann in diesen Beruf, der einen Männeranteil von gerade mal fünf Prozent hat.

Das Problem ist ein anderes: Deutschland vernachlässigt immer noch die frühkindliche Bildung. Denn in Kitas und Kindergärten wird längst nicht mehr nur gesungen und gebastelt. Sondern sie legen den Grundstein für eine erfolgreiche Schullaufbahn, verbessern die soziale Kompetenz und Sprachfähigkeit der Kleinen. Deshalb müssen Erzieher besser ausgebildet sein. Ein Vorbild sind Schweden, Finnland und Frankreich, wo Kitas als Bestandteil der Schulbildung gelten und Erzieher in der Regel ein Studium absolviert haben. Entsprechend werden sie auch bezahlt: Ihr Gehalt orientiert sich an dem von Lehrern. Deutschland sollte die Erzieher-Ausbildung akademisieren - dann können sie auch genau so viel wie Grundschullehrer verdienen.


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