Ein Bild von Jörg Gierse
25.03.2018, 14:29 Uhr KOMMENTAR ZUR WASHINGTON-DEMO

US-Waffengesetze: Die Möglichkeit einer Revolution

Kommentar von Jörg Gierse

Sie gibt dem Anti-Waffen-Protest in den USA ein Gesicht: Schülerin Emma Gonzalez aus Parkland/Florida sprach bei der Kundgebung in Washington zu Hunderttausenden Demonstranten. Foto: AFPSie gibt dem Anti-Waffen-Protest in den USA ein Gesicht: Schülerin Emma Gonzalez aus Parkland/Florida sprach bei der Kundgebung in Washington zu Hunderttausenden Demonstranten. Foto: AFP

Osnabrück. So viele Menschen wie nie zuvor sind am Wochenende in den USA gegen Schusswaffen auf die Straße gegangen. Die festgefahrene Debatte um mehr Kontrolle könnte damit an einem Wendepunkt angelangt sein – falls die landesweite Empörung kein Strohfeuer bleibt. Ein Kommentar.

Die USA sind ein Land, in dem sich manche Dinge atemberaubend schnell ändern können – während andere auf ewig unverrückbar scheinen. Letzteres galt seit Jahrzehnten für das beinahe uneingeschränkte Recht auf den Besitz von Waffen. Der Schwung, mit dem die Parkland-Aktivisten diesen Eckpfeiler des US-Selbstverständnisses binnen Wochen ins Wanken gebracht haben, ist deshalb beachtlich.

Im Streit um schärfere Kontrollen von Waffenbesitzern und höhere Hürden für Waffenkäufer beginnen die Fronten aufzuweichen. Zwei Drittel der US-Bürger sind laut einer Umfrage inzwischen offen für strengere Gesetze. Das ist auch der Bewegung von Schülern und Studenten zu verdanken, die den jüngsten Amoklauf in Florida zum Wendepunkt in der Debatte machen könnte. Ihre Entschlossenheit und Zähigkeit, geboren aus Wut über den Tod ihrer Freunde, trifft offenbar auf einen sich wandelnden Zeitgeist.

Ob dies aber auch ein echtes Umdenken in der US-Politik erzwingen kann, hängt entscheidend davon ab, wie lange die Bewegung ihren Druck aufrecht zu erhalten vermag. Viele der jungen Demonstranten dürfen in ein paar Jahren wählen – den Kongress ebenso wie den Präsidenten. Bleiben sie bis dahin bei ihrem klaren Nein zu laxen Waffengesetzen, dann könnte in Washington die Macht der Waffenlobby und ihrer milliardenschweren Parteispenden zu bröckeln beginnen.