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Nach Terrorangriff Macron will getöteten Polizeioffizier ehren

Von dpa

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Paris. In Südfrankreich reißt ein islamistischer Gewalttäter vier Menschen in den Tod. Der Polizist, der sich gegen Geiseln eintauschen ließ, wird von Staatschef Macron eine nationale Würdigung erhalten.

Nach der islamistischen Terrorserie in Südfrankreich mit zusammen vier Toten will Staatschef Emmanuel Macron den verstorbenen Gendarmen mit einer nationalen Gedenkfeier ehren.

Der Oberstleutnant ließ sich bei der Attacke auf einen Supermarkt gegen Geiseln eintauschen, wurde angeschossen und erlag später seinen schweren Verletzungen.

Macron erklärte am Samstag, der 45-Jährige habe sein Leben geopfert, um die Bürger des Landes zu schützen: „Indem er sein Leben gegeben hat, um die mörderische Eskapade eines dschihadistischen Terroristen zu stoppen, ist er als Held gefallen.“

Der mutmaßliche Terrorist, der 25-jährige Radouane L., schoss bei der Supermarkt-Attacke aus bislang noch nicht ganz geklärten Umständen auf den Beamten. Bei den Angriffen in der Region von Carcassonne waren am Freitag der Attentäter sowie vier Menschen ums Leben gekommen, 15 wurden verletzt. 

Nationale Gedenkfeiern mit einer Rede des Präsidenten sind in Frankreich herausragenden Persönlichkeiten vorbehalten. So wurden im vergangenen Jahr die Politikerin und Holocaust-Überlebende Simone Veil oder der Schriftsteller Jean d'Ormesson in Paris geehrt.

Hunderte Ermittler suchen laut Élyséepalast nach möglichen Verbindungen des Angreifers zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Die Gruppe hatte die Taten anschließend für sich reklamiert. Die Antiterror-Ermittler wollen auch aufklären, ob der in Marokko geborene Täter Mitwisser oder Unterstützer hatte. Untersucht wird auch, wie er sich radikalisierte.

Der Angreifer bezeichnete sich selbst als „Soldat“ des IS. Bei einer Durchsuchung seiner Wohnung fanden Ermittler erste Hinweise auf den IS. Dabei handelt es sich um digitale Datenträger und handschriftliche Aussagen mit Anspielungen auf die Terrormiliz, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Justizkreisen erfuhrt. Der Text erinnere an ein Testament.

Radouane L. war den Behörden seit Jahren wegen möglicher Radikalisierung bekannt. 2016 und 2017 wurde er deshalb sogar überprüft, Details dazu blieben offen.

Ermittler fanden in dem Supermarkt drei selbst gemachte Sprengsätze. Wie die Justizkreise berichteten, wurde am Tatort auch eine Pistole des Kalibers 7,65 und ein Jagdmesser entdeckt. Eine Frau aus dem Umfeld des Täters sowie ein minderjähriger Freund von Radouane L. kamen in Polizeigewahrsam.

Die Gendarmerie erläuterte auf Anfrage, der Polizist habe sich bei Verhandlungen mit dem Täter gegen eine Geisel eintauschen lassen. Unklar sei noch, ob die anderen Geiseln zum gleichen Zeitpunkt gehen konnten oder möglicherweise schon kurz vorher - jedenfalls war der Polizist am Ende alleine mit dem Täter im Supermarkt.

Der Beamte hatte sein Telefon mit einer offenen Verbindung auf einem Tisch liegen lassen. So konnten die Einsatzkräfte hören, was sich im Supermarkt abspielte.

Vor der Supermarkt-Attacke hatte der Angreifer in Carcassonne bereits einen Menschen getötet und einen weiteren schwer verletzt. Anschließend schoss er auf Bereitschaftspolizisten, die gerade vom Joggen in ihre Kaserne zurückkamen, und verletzte einen von ihnen an der Schulter. Danach fuhr er nach Trèbes und betrat das Super-U-Geschäft.

Frankreich wurde in den vergangenen Jahren mehrfach von islamistischen Anschlägen schwer erschüttert. Über 240 Menschen wurden dabei aus dem Leben gerissen.


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