Ausflug der First Lady zum Taj Mahal Bundespräsident Steinmeiers Mission in Indien

Meine Nachrichten

Um das Thema Politik Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Malerischer Programmpunkt der Reise: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender besuchen die Jama Masjid Moschee in Neu-Delhi. Foto: dpaMalerischer Programmpunkt der Reise: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender besuchen die Jama Masjid Moschee in Neu-Delhi. Foto: dpa

Neu-Delhi. In aufgeräumter Stimmung zeigt sich Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier auf seinem Staatsbesuch in Indien. Er kann sich diese Exkursion nach Asien leisten. Zu Hause laufen die Dinge gut für den 62-Jährigen. Dass Deutschland nun wieder eine Regierung hat, ist auch sein Werk.

Das entschiedene Auftreten des Staatsoberhaupts als Mittler ist bei den meisten Bürgern positiv hängen geblieben. Steinmeier bestellte die Vorsitzenden aller Parteien zu Einzelgesprächen ein und forderte, eine Regierungsbildung in absehbarer Zeit möglich zu machen. Für ihn selbst war dies zugleich die willkommene Chance, aufkommendes Geraune über die „diffuse Blässe des Präsidenten“ im Keim zu ersticken. Das Ergebnis: Genau ein Jahr nach Amtsantritt hat sich Steinmeier als erster Mann des Staates etabliert.

Kein Wunder, dass Steinmeier sich nun mit Freude in das Kontrastprogramm in Indien stürzt. Erstes Ziel der Reise ist Varanasi, ein heiliger Ort des Hinduismus und des Buddhismus, wo der Bundespräsident mit Studierenden der Banaras Hindu University über religiöse Vielfalt diskutierte. Gestern, am zweiten Tag der Indien-Visite, besuchten der Bundespräsident und seine Frau Elke Büdenbender die Freitagsmoschee Jama Masjid in Neu-Delhi und die University of Delhi, wo Steinmeier eine Rede hielt. Im Anschluss führte der Bundespräsident Gespräche mit Vertreterinnen und Vertretern der indischen Zivilgesellschaft, der Wissenschaft und der Wirtschaft. Die Rechtsanwältin Karuna Nundy erläuterte, dass sie in großer Sorge um die Rechte der Frauen in Indien sei. Tatsächlich haben gezielte Vergewaltigungen auch von Touristinnen das Image Indiens in den vergangenen Jahren ramponiert.

Heute werden Deutschlands Staatsoberhaupt und die First Lady von Präsident Ram Nath Kovind in NeuDelhi empfangen. Dort führt Steinmeier zudem Gespräche mit Premierminister Narendra Modi und weiteren hochrangigen Politikern sowie Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Letztes Ziel seines Staatsbesuchs ist Chennai, ein wichtiger Standort der deutschen Wirtschaft in Indien. Dort besichtigt Steinmeier unter anderem das Werk von Daimler India. Wirtschaftlich ist das aufstrebende Schwellenland Indien stark, seine Kultur ist faszinierend. Die bestürzende Armut eines großen Teils der 1,3 Milliarden Inder bleibt den Gästen weitgehend verborgen. Also macht sich Elke Büdenbender im Rahmen eines eigenen Programms auf den Weg zu Schulkindern, Frauenrechtlerinnen und Organisationen, die Verbrechen vorbeugen und Opferschutz organisieren.

Erschütternd ist ihre Begegnung mit jungen Frauen, deren Gesichter mit Säure verätzt wurden – und die nun irgendwie überleben müssen. Eine 28-Jährige berichtet, sie sei mit drei Jahren von ihrem Vater mit ätzender Flüssigkeit überschüttet worden, weil er sich einen Sohn gewünscht hatte. In einem auch mit deutschen Mitteln geförderten Café haben sie und andere Säure-Opfer eine Aufgabe gefunden. Das sind Indiens Brüche: Die jungen Frauen leben im Staub und Lärm einer Ausfallstraße, die direkt zum größten Anziehungspunkt des Landes führt, in dessen Umgebung Luxus blüht: das Taj Mahal. Das schönste Bauwerk muslimischer Architektur in Indien besucht die 56-jährige Richterin allein – ohne Fernsehkameras. Noch vor wenigen Tagen hatten Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und seine Frau Brigitte dort händchenhaltend posiert. Für die zurückhaltenden Steinmeiers ist das undenkbar.

Das große Mausoleum wurde vom fünften Großmogul Shah Jahan in Erinnerung an seine Frau Mumtaz Mahal gebaut. Die persische Prinzessin hatte einen sehr großen Einfluss auf sein Leben und seine Politik und starb 1631 bei der Geburt des vierzehnten Kindes im Alter von 39 Jahren. Auf dem Totenbett wünschte sie sich von ihrem Mann ein Grabmal, wie es die Welt zuvor noch nie gesehen hat. Daraufhin ließ der Großmogul das Taj Mahal errichten, das wie aus einem Märchen oder einem Traum entsprungen scheint. Aufgrund starker Umweltbelastung hat der Marmor angefangen, eine leicht gelbe Farbe anzunehmen, worauf seit Anfang 2007 sämtlicher Auto- und Busverkehr im Umkreis von zwei Kilometern verboten wurde. Touristen werden nun mit Pferdekutschen und batteriebetriebenen Fahrzeugen zum Mausoleum gebracht.

Bewundernd geht Elke Büdenbender umher, der Präsident diskutiert derweil in Varanasi mit Studenten. Für Steinmeier ist Indien kein unbekanntes Land. Bereits dreimal war er hier als Außenminister zu Besuch. Dabei hat er stets wie ein Präsident gewirkt – und heute mitunter wie ein Außenminister.

Eine Rede vor Studenten der Universität Neu-Delhi nutzt der Polit-Profi zu dem eindringlichen Appell vor Abschottungstendenzen in einzelnen Ländern. Sowohl Indien als auch Deutschland seien Verfechter von internationaler Zusammenarbeit und von gemeinsamen Lösungen für gemeinsame Probleme. „Unseren beiden Ländern ist bewusst, dass in einer zunehmend multipolaren Welt kein Land globale und regionale Herausforderungen im Alleingang bewältigen kann“, mahnt der Präsident. Er verweist auch auf handfeste wirtschaftliche Interessen, die verbänden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN