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23.03.2018, 17:57 Uhr EU-GIPFEL

Der Poker um den Brexit: Alles bleibt möglich

Von Marion Trimborn


Auch beim EU-Gipfel blieb der Brexit umstritten. Foto: AFPAuch beim EU-Gipfel blieb der Brexit umstritten. Foto: AFP

Osnabrück. Die britische Regierung empört sich gerne über die harte Linie der EU bei den Brexit-Verhandlungen. Dabei ist Premierministerin Theresa May das mit ihren illusorischen Forderungen selber schuld. Ein Kommentar

In der Politik gelten die viel beschworenen roten Linien als unverhandelbar. Sie signalisieren: Bis hierher und nicht weiter. Auch bei den Brexit-Verhandlungen zwischen der EU und London gibt es sie. Für die britische Premierministerin May ist die nationale Einheit des Königreichs inklusive Nordirland unverhandelbar. Für die EU ist klar, dass Großbritannien nicht austreten kann, ohne dass es Grenz- und Zollkontrollen gibt - mit allen wirtschaftlichen Nachteilen.

Doch die angeschlagene May scheint diese Linien schlicht zu ignorieren und stellt illusorische Forderungen. Ihren Köder, dass einzelne Branchen weiter am Binnenmarkt teilnehmen, schluckten die EU-Staaten nicht. Der EU-Gipfel zeigt, dass der Brexit-Poker munter weitergeht.

Die Briten legen keine ernsthaften Vorschläge vor und flüchten sich lieber in Allgemeinplätze, wenn es haarig wird. Nach wie vor sind zentrale Fragen ungeklärt. Wird London die milliardenschwere Abschlussrechnung zahlen? Wie wird die Grenze zu Irland geregelt? Wie kann der Handel ablaufen? Dabei rückt das Austrittsdatum März 2019 unaufhaltsam näher. Auch wenn der Ton versöhnlich war und der Gipfel der Premierministerin im Konflikt mit Russland den Rücken stärkte - beim Brexit ist immer noch alles denkbar. Da wird manche rote Linie am Ende wohl keine mehr sein.

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