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22.03.2018, 21:03 Uhr KOMMENTAR

EU kann ausbleibende US-Strafzölle als Etappensieg feiern

Kommentar von Thomas Ludwig

Streitobjekt Stahl: Die USA wollen von Strafzöllen für Stah aus der EU nun doch absehen. Doch zu welchen Bedingungen?  Foto: O. Berg/dpaStreitobjekt Stahl: Die USA wollen von Strafzöllen für Stah aus der EU nun doch absehen. Doch zu welchen Bedingungen? Foto: O. Berg/dpa

Osnabrück. Die USA haben die EU von den umstrittenen Strafzöllen auf Stahl ausgenommen. Das ist ein vorläufiger Sieg der Vernunft im Handelsstreit. Endgültig gebannt ist die Gefahr des Protektionismus damit nicht.

Was immer es auch war, europäisches Verhandlungsgeschick oder von vornherein amerikanisches Kalkül, Europa schlussendlich doch von Strafzöllen auf Stahl und Aluminium zu verschonen – der Handelskrieg zwischen der EU und den USA ist vorerst vertagt.

Die deutsche Wirtschaft darf darüber erleichtert sein. Und den Europäern ist es ein schöner Beleg dafür, dass sich entschlossenes Handeln in Einheit lohnt. So durfte ein wenig Schulterklopfen beim Gipfel der EU-Staats- und -Regierungschefs nicht fehlen. Die EU ist dann stark, wenn sie nach außen geschlossen auftritt. Das gilt nicht nur beim Handel, sondern auch bei Migration, beim Schutz der Außengrenzen und bei der Verteidigung. Diese Lehre kommt hoffentlich in allen Hauptstädten an.

Für Triumphgeheul besteht dennoch kein Anlass. US-Präsident Donald Trump wird unberechenbar bleiben und von den Europäern wohl auch Tribut verlangen, zum Beispiel in Form höherer Rüstungsausgaben.

Vorerst bekommt nun China den flammenden US-Furor zu spüren. Präsident Trump hat bei den Strafzöllen noch mal nachgelegt und Maßnahmen angekündigt, mit denen er den Diebstahl geistigen Eigentums unterbinden will. Das spielt auch Europa in die Karten. Dennoch sollte sich die EU hüten, sich als Erfüllungsgehilfe Washingtons China zum Handelsfeind Nummer eins zu machen.

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