Sexuelle Belästigung Weißer Ring zahlt Missbrauchs-Opfern ihre Anwaltskosten

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Der Weiße Ring will die Anwaltskosten für 18 Frauen übernehmen, die mutmaßlich von einem Vereinsmitarbeiter sexuell belästigt worden sind. Foto: dpaDer Weiße Ring will die Anwaltskosten für 18 Frauen übernehmen, die mutmaßlich von einem Vereinsmitarbeiter sexuell belästigt worden sind. Foto: dpa

Osnabrück. Der Weiße Ring zieht nach den Vorwürfen der sexuellen Belästigung durch einen Lübecker Vereinsmitarbeiter Konsequenzen. Der Opferschutzverein übernimmt die Anwaltskosten für 18 Frauen, die mutmaßlich von dem Mann belästigt wurden. Zudem soll es schon bald einen neuen Vorsitzenden des schleswig-holsteinischen Landesverbands geben.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion kündigte die Bundesvorsitzende Roswitha Müller-Piepenkötter an, die Opferorganisation werde die Frauen bei ihren Schadenersatzprozessen finanziell unterstützen. Die Vorsitzende sagte: „Es war ein Vertreter des Weißen Rings in Lübeck, der hilfesuchende Frauen in Beratungsgesprächen sexuell belästigt haben soll. Deshalb wollen wir umfassend helfen.“ Um welchen Betrag es sich dabei handelt, sei offen, weil dies vom Streitwert der Verfahren abhänge.

Damit geht die Organisation über die Hilfe hinaus, die Kriminalitätsopfer normalerweise erhalten. Sonst bietet der Weiße Ring Betroffenen begrenzte finanzielle Unterstützung an, etwa die Erstberatung durch einen Anwalt und Therapeuten, Rechtshilfe im Strafprozess oder Umzugshilfe.

18 Opfer erheben Vorwürfe

Im aktuellen Fall geht es um einen 73 Jahre alten ehemaligen Außenstellenleiter in Lübeck, gegen den mehrere Frauen und der Bundesverband Strafanzeige gestellt haben. Ihm wird vorgeworfen, hilfesuchende Frauen in Beratungsgesprächen sexuell belästigt und sich vor ihnen entblößt zu haben. Auch soll er ihnen empfohlen haben, als Prostituierte zu arbeiten. Der Mann bestreitet die Vorwürfe. Nach Worten von Müller-Piepenkötter verzeichnet der Verein, der rund 47.000 Mitglieder hat, wegen der Vorfälle in Lübeck nur vereinzelte Austritte.

Neuer Landesvorsitzender soll rasch gewählt werden

Der Landesvorsitzende des Weißen Rings von Schleswig-Holstein und sein Stellvertreter waren am Wochenende von ihren Ämtern zurückgetreten, um Schaden vom Verband abzuwenden. Müller-Piepenkötter kündigte an, dass der Posten des Vorsitzenden rasch wieder besetzt wird. „Es muss so schnell wie möglich einen Neustart in Schleswig-Holstein geben“, sagte die Vorsitzende. In drei bis vier Wochen werde zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung des Landesverbandes eingeladen. „Vielleicht können wir dann schon einen neuen Vorsitzenden wählen.“ Einen vergleichbaren Fall habe es noch nie seit der Gründung des Opferschutzvereins 1976 gegeben. Der Weiße Ring hat mehr als 3000 ehrenamtliche Mitarbeiter.

Verein ändert seine Satzung

Der Weiße Ring will nach dem Vorwurf sexueller Belästigung gegen einen Mitarbeiter in Notfällen künftig schneller eingreifen. Deutschlands größte Opferschutzorganisation kündigte am Donnerstag nach einer Sondersitzung der Spitze in Mainz an, dass die Satzung geändert werde. Der Geschäftsführende Bundesvorstand solle die Möglichkeit bekommen, im Notfall einzugreifen und Mitarbeiter vor Ort zu suspendieren und von ihren Aufgaben zu entbinden. Außerdem werde nun verschärft darauf geachtet, dass weibliche Opfer von Sexualdelikten in Zukunft beim ersten Gespräch generell nur von einer Opferhelferin betreut werden. Zudem solle sich ein unabhängiger Ansprechpartner um Beschwerden und Feedback kümmern.


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