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22.03.2018, 18:01 Uhr KOMMENTAR

Facebook ist wenig glaubhaft

Kommentar von Michael Clasen

Was der User sieht oder nicht, bestimmt Facebook. Foto: AFPWas der User sieht oder nicht, bestimmt Facebook. Foto: AFP

Osnabrück. Die Entschuldigung von Zuckerberg ist wenig glaubhaft. Der vermeintliche Datenskandal um die Firma Cambridge Analytica ist im Kern bereits seit der Wahl von US-Präsident Trump 2016 bekannt.

Geändert hat Zuckerberg bis heute nichts. Das nun zur Schau gestellte Bedauern des Facebook-Gründers kommt allein durch öffentlichen Druck zustande – und dem abgeschmierten Aktienkurs. Die Klagen von Anlegern lehren das Imperium ein wenig Demut.

Unglaubwürdig wirken die Beschwichtigungsversuche auch deshalb, weil das Geschäftsmodell das alte bleibt: der Handel mit Daten der Facebook-Usern. Familienstand, Einkommen, politische und religiöse Präferenzen: All das und mehr bietet Zuckerberg an. Das ist an sich auch nicht illegal, aber dennoch nicht ungefährlich.

Big Data ist längst eine Goldgrube und Targeting das neue Lieblingswort des Digitalmarketings. Für zielgruppengenaue Onlinekampagnen ist Facebook die perfekte Plattform. Durch Algorithmen kann der Konzern steuern, was ein User auf seinem Profil sieht – oder nicht.

Bei Seife oder Gartenstühlen ist das kein Problem. Für die Demokratie gilt das nicht. Denn die Manipulationsmöglichkeiten gehen über klassische Zensur hinaus. Fake-News, Verschwörungstheorien oder Unterdrückung von Ansichten aus falsch verstandener politischer Korrektheit sind Beispiele für ein Drama, das sich in der virtuellen Welt voller Filterblasen abspielt.


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