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20.03.2018, 15:32 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR ZUM DATENSKANDAL

Facebook und die Politik: Erst die Macht, dann die Moral

Kommentar von Dirk Fisser

Facebook gerät in dem Datenskandal unter Druck. Foto: dpaFacebook gerät in dem Datenskandal unter Druck. Foto: dpa

Osnabrück. Über Facebook tobt nach dem Skandal um die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica ein Sturm. Dazu ein Kommentar.

Was haben all diejenigen gedacht, die sich jetzt über Facebook empören? Dass es sich um eine öffentliche Plattform mit dem honorigen Ziel handelt, die Welt näher zusammenzubringen? Hinter der blau-weißen Blinkewelt steckt ein milliardenschwerer Konzern, dessen Interesse die Steigerung des Profits ist. Und den generiert das Unternehmen mit einem Geschäftsmodell, das Werbenden – seien sie aus Wirtschaft oder Politik – zielgenauere Agitation ermöglicht, als es klassische Werbeträger wie Plakat, Zeitung oder TV können.

Facebook ist eine Manipulationsmaschine, deren Treibstoff die Daten der Nutzer sind. Diese werden auf Basis dessen, was sie über sich preisgeben, hineingezogen in digitale Parallelrealitäten, in denen sie nur noch ihr eigenes Weltbild bestätigt sehen. So wird die Plattform eine Gefahr für die Demokratie, deren Lebenselixier der Widerstreit der Meinungen ist.

Natürlich, der jetzige Skandal begründet sich im halblegalen bis illegalen Datenmissbrauch eines Dritten. Aber er macht deutlich, welches Wissen und welche Macht Facebook über seine Nutzer hat und wie leichtfertig der Konzern damit umgeht. Dass sich nun die Politik dies- wie jenseits des Atlantiks empört, ist Heuchelei. Schließlich wird die Plattform von allen Parteien zur zielgerichteten Wahlwerbung genutzt. Die Verlockungen der Macht sind wohl stärker als die Moral.


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