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20.03.2018, 15:30 Uhr KOMMENTAR ZU HANDELSKRIEG

Strafzölle treffen den falschen Gegner

Kommentar von Katharina Ritzer

Mit Strafzöllen auf Stahl und Aluminium beim Import in die USA will Präsident Trump die amerikanische Wirtschaft schützen. Allerdings hat er sich den falschen Gegner ausgeguckt. Symbolbild: dpaMit Strafzöllen auf Stahl und Aluminium beim Import in die USA will Präsident Trump die amerikanische Wirtschaft schützen. Allerdings hat er sich den falschen Gegner ausgeguckt. Symbolbild: dpa

Osnabrück. Am Freitag sollen die US-Strafzölle auf Stahl und Aluminium in Kraft treten. Aus amerikanischer Sicht sind diese nachvollziehbar, allerdings hat Präsident mit dem kleineren den falschen Gegner ausgemacht. Ein Kommentar.

Problem erkannt, bei der Lösung verrannt: Donald Trump fühlt sich bei der Handelsbilanz vom Rest der Welt über den Tisch gezogen – womit er bei einem Defizit in der US-Handelsbilanz von kaum vorstellbaren 566 Milliarden Dollar allein im vergangenen Jahr natürlich richtig liegt. Auch andere Präsidenten haben deshalb schon versucht, mit Strafzöllen gegenzuhalten, wenn auch wenig erfolgreich.

Das richtig erkannte Problem geht Trump nun in bekannter Manier aber nicht politisch, sondern vor allem populistisch an. Von den beiden größten Handelsgewinnern China (Überschuss: 375 Milliarden Dollar) und der vor allem von Exportweltmeister Deutschland angeführten EU (Überschuss: 151 Milliarden Dollar) greift er mit Europa den schwächeren Gegner an. Und nimmt in Kauf, für den starken Auftritt auch das eigene Land zu treffen. Denn die Schutzzölle zahlen ja nicht etwa die europäischen Produzenten, sondern die amerikanischen Abnehmer, und die geben sie mit jeder Bierbüchse aus Aluminium an die Kunden weiter. Oder wie Nebraskas republikanischer Senator Ben Sasse sagt: „Wenn Sie ein Stahlwerk besitzen, war das ein toller Tag für Sie. Wenn Sie Stahl konsumieren wie jede amerikanische Familie, das war das ein schlechter Tag.“

Wirklich helfen würde den USA dagegen, ganze Produktionen wie etwa die von Computern oder die des prestigeträchtigen iPhone aus China zurückzuholen. Mit dem Silicon Valley legt sich Trump bisher aber lieber nicht an.


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