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19.03.2018, 17:39 Uhr KOMMENTAR

Todesstrafe für Drogendealer: Eingeständnis von Ohnmacht

Kommentar von Stefanie Witte

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Osnabrück. Es gibt eine Passage in „Alice im Wunderland“, da brüllt die Herzkönigin: „Ab mit seinem Kopf!“ - immer wieder. Die Kontrolle übers Chaos gewinnt sie nicht. Ebenso wenig wird der US-Präsident den Kampf gegen Drogen gewinnen, indem er Dealer zum Tode verurteilen lässt. Was nach Durchsetzungsstärke klingen soll, ist ein Eingeständnis von Ohnmacht.

Zum Glück will die amerikanische Regierung noch mehr tun, als Drogendealer zu töten, um die rasant steigende Zahl der Drogentoten zu senken. Denn deren Ursache ist weniger bei den Dealern zu finden, sondern vielmehr im amerikanischen Gesundheitssystem: Jahrelang haben Ärzte Opioide gegen Schmerzen verschrieben – angeblich in dem Glauben, dass die Medikamente nicht abhängig machen. 70 Prozent der Heroinabhängigen haben mit einer Schmerzmittel-Verschreibung angefangen. Effektiver ist es also, wenn die Zahl der Verschreibungen radikal gedrosselt und besser aufgeklärt wird. Sinnvollerweise ist auch eine solche Kampagne Teil des Plans.

Zudem muss in Sachen Entzug massiv nachgesteuert werden. Nur in zehn Prozent der Fälle wird Methadon eingesetzt. Es gilt, schnellstens Fachpersonal auszubilden und mehr Möglichkeiten für einen Entzug anzubieten. Die Todesstrafe für Dealer wird an der disparaten Lage jedenfalls nichts ändern. Der Hydra wüchsen einfach zwei neue Köpfe.


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