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18.03.2018, 20:08 Uhr KOMMENTAR ZUR RUSSLAND-WAHL

Putin muss mehr sein als ein Feindbild

Kommentar von Thomas Ludwig

Präsident Wladimir Putin bei der Stimmabgabe. Foto: afpPräsident Wladimir Putin bei der Stimmabgabe. Foto: afp

Simferopol. Und der Gewinner ist: Wladimir Putin. Wohl niemand hatte mit einem anderen Ergebnis bei der Präsidentenwahl in Russland erwartet. Doch was heißt das nun für die Verantwortlichen in Berlin und Brüssel? Ein Kommentar:

Russland taugt in diesen Tagen allenfalls als Feindbild. Das hat der Westen im Fall des Anschlags auf einen Ex-Agenten in London eindrücklich unter Beweis gestellt. Die Verurteilungsreflexe sind intakt – unabhängig davon, ob es stichhaltige Beweise gibt oder nicht. Dass Moskau an das Prinzip der Unschuldsvermutung erinnern muss, sagt einiges. Und dass der britische Außenminister gegen Russlands Präsident Putin persönlich keilt, ist für diplomatische Gepflogenheiten ein starkes Stück. Der Westen sollte aber nicht überziehen. Denn er wird sich sechs weitere Jahre mit Putin arrangieren müssen.

Das Volk hat dem Herrscher im Kreml mit ordentlicher Mehrheit und Beteiligung den Rücken gestärkt. Putin regiert Russland mit harter Hand. Dafür wird er geliebt und gefürchtet. Geradezu verehrt wird er dafür, Europa und den USA die Stirn zu bieten. Innenpolitisch steht Putin vor großen Herausforderungen. Nur wenn die Wirtschaft brummt, lassen sich die Lebensumstände vor allem der Menschen auf dem Land verbessern. Solange die soziale Lage vieler aber prekär bleibt, dient Außenpolitik als Blitzableiter.

Umso gebotener ist es, dass Berlin und Brüssel alles daransetzen, wieder einen realistischen Dialog mit dem Kreml aufzubauen. Russland muss mehr sein als ewiges Feindbild – im Interesse beider Seiten.


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