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18.03.2018, 17:37 Uhr KOMMENTAR

Debatte um Werbeverbot für Abtreibungen: Beunruhigend!

Kommentar von Stefanie Witte

Jens Spahn. Foto: dpaJens Spahn. Foto: dpa

Osnabrück. Wer für Informationen zu Abtreibungen wirbt, dem sind Tiere wichtiger als Menschen? Die These von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ist so populistisch wie unsinnig.

Dahinter steht jedoch eine Debatte, in der Abtreibungsgegner mühsam errungene Freiheitsrechte zurückschrauben wollen. Und die ist ernst zu nehmen.

Die selbst ernannten Lebensschützer malen Schreckensszenarien an die Wand, warnen vor Werbeanzeigen für die besten Abtreibungsmittel in Frauenzeitschriften. Dabei ist Werbung für verschreibungspflichtige Medikamente verboten. Gleichzeitig wird der absurde Eindruck erweckt, es handele sich bei einer Abtreibung um eine Art Wellness-Behandlung. Betroffene Frauen werden als verantwortungslos und leichtfertig dargestellt.

Es geht um Bilder und Deutungshoheit. Umso beunruhigender, wenn sich ein Gesundheitsminster derart äußert. Das Werbeverbot selbst bewirkt zweierlei: Abtreibungsgegner stellen Ärzte, die trotzdem informieren, an den Pranger und können sie zu hohen Geldstrafen verurteilen lassen. Und Frauen, die abtreiben wollen oder müssen, haben es schwer, in einer Notlage zu erfahren, wer ihnen helfen kann, müssen stattdessen bisweilen erniedrigende Erfahrungen machen. Das Thema darf daher nicht im Groko-Arbeitskreisnirwana verschwinden. Der Paragraph muss schnellstmöglich abgeschafft werden.


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