Präsidentenwahl 2018 Russland wählt: Fakten zum Ablauf, den Kandidaten und Putin

Von dpa

Eine Frau hängt ein Infoblatt zu den Kandidaten in einem Wahllokal auf. Am Sonntag wählt Russland einen neuen Präsidenten. Foto: imago/ITAR-TASS/Alexander RyuminEine Frau hängt ein Infoblatt zu den Kandidaten in einem Wahllokal auf. Am Sonntag wählt Russland einen neuen Präsidenten. Foto: imago/ITAR-TASS/Alexander Ryumin

Moskau. Russland, das größte Land der Erde, wählt am 18. März sein Staatsoberhaupt. Fakten zur Wahl, Putin und den Kandidaten.

Wer wählt? Nach Angaben der Wahlkommission sind rund 109 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen, davon sind Medienberichten zufolge 7 Millionen Russen und Russinnen Erstwähler.

Wann wird gewählt? Gewählt wird von 8 bis 20 Uhr Ortszeit, aber in elf Zeitzonen. Zwischen dem Beginn der Wahl auf der Halbinsel Kamtschatka und dem Ende im westlichsten Teil Russlands, der Ostsee-Exklave Kaliningrad, liegen 22 Stunden.

Wie wird gewählt? Nach Angaben der Wahlkommission dürfen die Wähler in 98.000 Wahllokalen ihre Stimme abgeben. Die Wahlbeteiligung lag bei der vergangenen Wahl 2012 nach offiziellen Angaben bei 65,3 Prozent. Putin erreichte demnach im ersten Wahlgang 63,6 Prozent der Stimmen. Prognosen und erste Teilergebnisse sollen von 19 Uhr (MEZ) an bekannt werden. Dann schreitet die Auszählung im Laufe der Nacht fort, vollständige Ergebnisse werden erst am Montagmorgen erwartet.

Wer bewirbt sich? Alte Bekannte und Quereinsteiger: Die Konkurrenz für Kremlchef Wladimir Putin bei der Wahl an diesem Sonntag ist vielfältig – zumindest auf dem Papier. Denn ernsthafte Chancen können sich die sieben Gegenkandidaten nicht ausrechnen. Wer bewirbt sich um das höchste Staatsamt in Russland?


Wladimir Schirinowski. Foto: dpa


Wladimir Schirinowski: Der Skandalpolitiker ist bekannt für deftige nationalistische Parolen und für seine zahlreichen Versuche, in das Amt des Präsidenten gewählt zu werden. Den Namen des Rechtspopulisten fand man bereits fünf Mal auf der Wahlliste. Seinen größten Erfolg hatte der Duma-Abgeordnete 2008 mit rund neun Prozent. Der 71-Jährige gilt als verlässlicher Verbündeter des Kremls.


Pawel Grudinin. Foto: imago/ITAR-TASS/Yegor Aleyev


Pawel Grudinin: Der 57 Jahre alte Geschäftsmann ist einer der Überraschungskandidaten. Als Bewerber der Kommunistischen Partei (KP) galt Kader-Urgestein Gennadi Sjuganow als gesetzt. Beim Parteitag im Dezember wurde aber der Erdbeerbauer aus Moskau als parteiloser Kandidat nominiert. Experten sehen darin den Versuch, die Partei jenseits von Sowjet-Nostalgie für junge Wähler interessant zu machen.


Grigori Jawlinski. Foto: imago/ITAR-TASS/Valery Sharifulin


Grigori Jawlinski: Seit knapp 25 Jahren kämpft er mit seiner linksliberalen Partei Jabloko für eine gerechtere Politik. Dabei hat der 65-Jährige schon etliche Niederlagen einstecken müssen. Zwei Mal kandidierte er bereits erfolglos für das Amt des Kremlchefs; 2012 zerschlug die Wahlkommission seine Ambitionen wegen angeblich gefälschter Unterschriften. 2007 flog seine Partei aus dem Parlament.


Xenia Sobtschak. Foto: dpa


Xenia Sobtschak: Für manche ist die Mode-Ikone ein Polit-Projekt des Kremls. Jung, weiblich, eloquent - kann die liberale Journalistin so politikverdrossene Menschen für die Wahl begeistern? Die 36-Jährige geht als „Kandidatin gegen alle“ an den Start. Die Tochter von Putin-Mentor Anatoli Sobtschak kritisiert die Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim. Sie plädiert sogar für Sanktionen gegen die russischen Eliten, sollte sich die Schuld Moskaus im Fall des Giftanschlags auf den Ex-Spion Sergej Skripal bestätigen.


Boris Titow. Foto: imago/ITAR-TASS/Kirill Kukhmar


Boris Titow: Er ist der Sekt-Lieferant des Kremls, mit seiner Marke Abrau Durso macht Titow einen Millionenumsatz. Der Unternehmer führt die sogenannte Wachstumspartei und setzt sich für kleine und mittlere Unternehmen ein. Der 57-Jährige kennt Putin sehr gut, auf dessen Wunsch hin fungiert er als Ombudsmann für Unternehmerrechte.


Sergej Baburin. Foto: dpa


Sergej Baburin: Der 59-Jährige ist kein Unbekannter in der russischen Politik: Er war 1992/93 ein Wortführer des nationalistisch-altkommunistischen Widerstands gegen Präsident Boris Jelzin, saß bis 2007 im Parlament. Auch danach blieb der Rektor einer Moskauer Wirtschaftsuni politisch aktiv. Die russische Volksunion, ein Bündnis von Nationalisten, nominierte ihn für die Wahl.


Maxim Surajkin. Foto: dpa


Maxim Surajkin: Vor einigen Jahren ging er auf Distanz zur KP. Seitdem versucht Surajkin, seine Kleinpartei Kommunisten Russlands als Alternative aufzubauen. Dafür bekam er bei der Duma-Wahl 2016 zwei Prozent Zustimmung. Der 39-Jährige kandidierte erfolglos für Gouverneursämter in der Provinz.


Wladimir Putin. Foto: dpa


Wladimir Putin: „Ein starker Präsident, ein starkes Land“ – so lautet der Wahlslogan des Amtsinhabers. Russlands Präsident Wladimir Putin steuert auf seine vierte Amtszeit zu. Vor der Politik machte Putin im sowjetischen Geheimdienst KGB Karriere und war zu DDR-Zeiten in Dresden stationiert. Umfragen staatlicher Institute schreiben dem 65-Jährigen große Beliebtheit zu und sehen ihn bei knapp 70 Prozent Zustimmung.

Ein Überblick über die Amtsperioden seit seinem Aufstieg zur Macht:

2000-2004, erste Amtszeit: Putin übernimmt die Führung des Landes von Boris Jelzin. Sein erstes Mandat ist geprägt vom Tschetschenien-Krieg und vom Vorgehen gegen Oligarchen. Der prominenteste Fall ist der des Ölmanagers Michail Chodorkowski.

2004-2008, zweite Amtszeit: Putin konsolidiert seine Macht. Auch der Personenkult festigt sich. Bei einer scharfen Rede in München 2007 zeichnet sich der Konflikt Russlands mit dem Westen ab.

2008-2012, Regierungschef: Nach der Verfassung darf Putin nach zwei Amtszeiten nicht wieder kandidieren. Sein Vertrauter Dmitri Medwedew übernimmt und wird Präsident, Putin Regierungschef. 2012 vollziehen sie eine „Rochade“, Putin wechselt wieder an die Staatsspitze.

2012-2018, dritte Amtszeit: Putins Rückkehr in den Kreml wird überschattet von Massenprotesten, die schon nach der Parlamentswahl 2011 begonnen hatten und auch nach der Präsidentenwahl aufflammten. International steht sie im Zeichen der Krim-Annexion 2014 und der schärfsten Spannungen mit dem Westen seit dem Ende des Kalten Kriegs.