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16.03.2018, 15:41 Uhr KOMMENTAR ZU RUSSLAND

Die russische Seele müssen wir respektieren

Kommentar von Michael Clasen

Zarenhaft, aber kein lupenreiner Demokrat: Wladimir Putin dürfte am Sonntag als Präsident Russlands wiedergewählt werden. Foto: dpaZarenhaft, aber kein lupenreiner Demokrat: Wladimir Putin dürfte am Sonntag als Präsident Russlands wiedergewählt werden. Foto: dpa

Osnabrück. Die jüngsten diplomatischen Gefechte lassen es kaum glauben, doch es gab nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion mal eine Zeit, da sahen sich der Westen und Russland als Partner, nicht als Feinde.

Für Helmut Kohl war stets klar, dass Europa und Russland geostrategische Verbündete sind. In einer sich radikal wandelnden Welt, in der China und Indien zu Weltmächten werden sowie Afrika und der Mittlere Osten mehr sicherheitspolitische Risiken als Chancen bergen, wäre es fahrlässig, in eine Ära eines neuen Kalten Krieges zurückzufallen.

Barack Obamas Arroganz

An dieser Weitsicht mangelte es zuletzt leider in Washington und Berlin. Die Nato-Osterweiterung war noch nachvollziehbar. Doch die versuchten Machtausweitungen auf Georgien und später auf die Ukraine waren Fehler historischen Ausmaßes. Russland zu einer Regionalmacht herabzustufen, wie es Barack Obama arrogant tat, hat den Bruch mit Wladimir Putin fast irreversibel gemacht. Der Westen muss die russische Seele zwar nicht verstehen, aber respektieren. Eine Atommacht wie Russland zu demütigen ist dumm und das Gegenteil von dem, was dringend nötig ist: eine Annäherung auf Augenhöhe.

Natürlich ist Putin kein lupenreiner Demokrat. Das riesige Reich ist auch weit davon entfernt, mit den USA wirtschaftlich, technisch oder militärisch auch nur ansatzweise gleichzuziehen. Doch es wäre fatal, Russlands vermeintliche Schwächen weiter auszunutzen, um die Machtsphäre des Westens auszudehnen.


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