Seelsorge in der Bundeswehr Wehrbeauftragter befürwortet ehrenamtliche Imame für die Truppe

Von Marion Trimborn

Der Wehrbeauftragte des Bundestages Hans-Peter Bartels schlägt ein ehrenamtliches Modell von muslimischen Seelsorgern in der Bundeswehr vor. Foto: dpaDer Wehrbeauftragte des Bundestages Hans-Peter Bartels schlägt ein ehrenamtliches Modell von muslimischen Seelsorgern in der Bundeswehr vor. Foto: dpa

Osnabrück. Reicht die seelsorgerische Betreuung für Soldaten aus? Während sich katholische und evangelische Soldaten an Militärbischöfe und -pfarrer wenden können, haben muslimische Soldaten keine eigenen Seelsorger als Ansprechpartner. Der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels schlägt ein ehreamtliches Modell für Imame in der Truppe vor.

In der Debatte um Muslime in der Bundeswehr befürwortet der Wehrbeauftragte Hans-Peter Bartels den Einsatz von muslimischen Seelsorgern und schlägt ein ehrenamtliches Modell vor. Der SPD-Politiker sagte in einem Gespräch mit unserer Redaktion: „Imame für die rund 1500 muslimischen Soldaten wären wünschenswert.“

Liste mit ehrenamtlichen Seelsorgern

Nach Ansicht des Wehrbeauftragten muss es nicht unbedingt festangestellte Imame in der Bundeswehr geben. Bartels sagte: „Hauptamtliche muslimische Militärgeistliche kann ich mir nur schwer vorstellen, weil die Zahl der Muslime klein ist, sie über viele Standorte verteilt sind und es sehr unterschiedliche konkurrierende Glaubensrichtungen gibt.“ Stattdessen schlägt der Wehrbeauftragte Ehrenamtliche vor. Er sagte: „Am Ende könnte ein ehrenamtliches Modell herauskommen mit einer Ansprechstelle, die eine Liste mit Imamen führt, die in Frage kommen und die bei der Bundeswehr an einer Weiterbildung teilgenommen haben.“

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Verteidigungsministerium prüft seit sechs Jahren

Bartels hat kein Verständnis dafür, dass sich das Verteidigungsministerin seit Jahren ergebnislos mit diesem Thema befasst. Er sagte: „Es ist unbefriedigend, dass das Verteidigungsministerium auch nach sechs Jahren Prüfung noch zu keinem Ergebnis kommt.“ Damit stellt Bartels sich teilweise hinter eine Forderung der Muslimverbände, die sich seit Jahren für muslimische Seelsorger einsetzen.

Die Bundeswehr hat traditionell katholische und evangelische Militärbischöfe und -pfarrer, die den Soldaten unter anderem im Einsatz geistlichen Beistand leisten. Über die Zahl der Muslime in der Bundeswehr gibt es keine verlässlichen Angaben, da die Soldaten ihre Religionszugehörigkeit nicht angeben müssen. Schätzungsweise rund 1500 muslimische Soldaten, die an verschiedenen Standorten arbeiten, gehören zur Truppe - insgesamt hat die Bundeswehr knapp 179 000 Soldaten.

Muslimverband spricht von „Schande für Deutschland“

Nach Ansicht des Muslimverbands wären Imame in der Bundeswehr ein starkes Signal der Integrationspolitik. Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, hatte unserer Redaktion vor kurzem gesagt: „Es ist eine Schande, dass wir in Deutschland nach so vielen Anläufen und Anstrengungen über fast sechs Jahre nicht mal einen dringend benötigten muslimischen Militärseelsorger installieren konnten.“ Er kritisierte, dass „die Politik jedes Mal Bürokratie als Grund dafür vorschiebt.“ Dies sei sinnbildlich der Stand der Institutionalisierung des Islam. Nach Mazyeks Ansicht ist die Bundeswehr „ein Spiegelbild unserer Gesellschaft und solch ein Schritt hätte eine starke integrationspolitische Signalwirkung.“