Warnung vor zunehmender Bewaffnung Messerattacken: Mehr Integration und schärferes Waffenrecht gefordert

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Tödlicher Messerangriff in Flensburg. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert ein schärferes Waffenrecht. Foto: Carsten Rehder/dpaTödlicher Messerangriff in Flensburg. Die Deutsche Polizeigewerkschaft fordert ein schärferes Waffenrecht. Foto: Carsten Rehder/dpa

Osnabrück. Ein 17-jähriges Mädchen wird in Flensburg mutmaßlich von einem Asylbewerber erstochen. Nimmt die Gewalt durch Flüchtlinge zu? Ein Kriminologe beschwichtigt. Die Deutsche Polizeigewerkschaft sieht einen gefährlichen Trend.

Kriminologe Christian Pfeiffer geht trotz tödlicher Messerangriffe durch Asylbewerber in Flensburg oder Kandel davon aus, dass Flüchtlinge künftig weniger Gewalt ausüben. „Die Lebensbedingungen für die Flüchtlinge sind besser geworden, das hat dazu beigetragen, dass diese Gewaltrate abnimmt“, sagte Pfeiffer unserer Redaktion. Er beruft sich dabei auf die sinkende Zahl der Gewalttaten durch Flüchtlinge in Niedersachsen im Jahr 2017 und rechnet auch im ganzen Bundesgebiet mit weniger Gewalt.

Dass junge Flüchtlinge trotzdem Gewalt gegen junge Mädchen ausüben, sei vor allem „der sozialen Lage geschuldet, dass sie hier in unserem Land keine Verankerung haben“, sagte Pfeiffer. Wer keiner sozialen Gruppe angehört oder keine Familie hat, und eine Beziehung zu einem Mädchen anfängt, dem fehle nach einer Trennung eine positive Verankerung im Leben. Beeinflusst durch die männlich dominierte „Machokultur“ aus dem Heimatland, würden Täter in der Konfliktlage keinen anderen Ausweg sehen, als Rache auszuleben und wütend zu zustechen.

Je besser die Integration funktioniere, desto weniger Gefahr gehe von jungen Menschen aus. „Dann baut sich die kulturelle Blindheit ab, die man am Anfang hat, weil man unsere Welt nicht versteht.“

Polizeigewerkschaft fordert schärferes Waffenrecht

Nach einer Reihe tödlicher Messerangriffe in Kandel, Lünen oder Berlin fordert die Deutsche Polizeigewerkschaft eine Verschärfung des Waffenrechts. „Wenn jemand ein Messer in die Schule oder Diskothek mitbringt, muss das bestraft werden“, sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt im Gespräch mit unserer Redaktion. Die Polizeigewerkschaft zeigt sich besorgt über eine zunehmende Bewaffnung mit Messern bei jungen Menschen. Immer mehr Jugendliche – vor allem Männer – würden Messer mit sich tragen, weil sie sich damit überlegen fühlten.

Die Erfahrung der Polizei habe gezeigt, dass vor allem viele junge Migranten sich mit Messern bewaffnen würden. „Es ist ein Trend, der in der Regel von jungen Arabern ausgeht, die glauben, mit einem Messer besser unterwegs zu sein, weil sie das für leicht verfügbar halten. Sie haben die Vorstellung, dass es nicht Ungewöhnliches oder nicht Schlimmes ist, ein Messer mit sich zu führen.“, sagte Wendt. Bei Streitigkeiten würden immer häufiger Stichwaffen eingesetzt, ohne dass Jugendliche vorher über die Folgen nachdächten. „Bei denen, die ein Messer bei sich haben, ist die Hemmschwelle absolut niedrig geworden, das auch zu benutzen“, sagte Wendt.

Messer sind Alltag in der Schule

Es gehöre mittlerweile zum Alltag, dass Messer auch mit in die Schulen gebracht würden. „Die Lehrer, die das nicht wissen, sind eigentlich in höchster Gefahr“, sagte Wendt. Sie könnten überhaupt nicht abschätzen, wer bewaffnet sei, und wer möglicherweise auch schon in bewaffnete Auseinandersetzungen verwickelt war, weil Staatsanwaltschaft oder Gericht die Schulen nicht informieren würden.

Auch festgelegte Gefahrenzonen in Städten, in denen die Polizei Menschen verdachtsunabhängig durchsuchen darf, müssten ausgeweitet werden. Hamburg habe damit gute Erfahrungen gemacht. „Wo es das noch nicht gibt, muss man das in den Polizeigesetzen verankern“, sagte Wendt.

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