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15.03.2018, 18:37 Uhr KOMMENTAR ZU RUSSLAND

Wer will den Kalten Krieg zurück?

Kommentar von Michael Clasen

Hier stehen sie friedlich nebeneinander:Wladimir Putin und Donald Trump als Matrjoschkas an einem Souvenirstand in St. Petersburg. Foto: dpaHier stehen sie friedlich nebeneinander:Wladimir Putin und Donald Trump als Matrjoschkas an einem Souvenirstand in St. Petersburg. Foto: dpa

Osnabrück. Fast wirkt es wie ein Doppelschlag gegen Russland: Am gleichen Tag kommen eine gemeinsame Erklärung des Westens zum Giftanschlag in England und US-Sanktionen wegen einer Beeinflussung der Wahl 2017. Moskau reagiert prompt. Ein Kommentar.

Kurz vor der Präsidentschaftswahl könnte es für Wladimir Putin kaum besser laufen. Ob Zufall oder nicht: Plötzlich erstrahlt im Moskau das alte Feindbild vom Westen in neuem Glanz. Das stärkt den Rückhalt Putins, obgleich seine Wiederwahl in seiner gelenkten Demokratie sowieso nicht gefährdet ist. Nun kann er Muskeln zeigen, Witze über den vermeintlich hysterischen Westen machen und mit Gegenmaßnahmen prahlen.

Der Tiefpunkt der Beziehungen zu Moskau ist damit aber nicht erreicht. Die Sanktionen der EU und USA wegen der Krim-Annexion und des noch immer ungelösten Ukraine-Konflikts wirken noch, da gibt es neue Strafmaßnahmen. Großbritannien will russische Diplomaten wegen der Giftgas-Affäre rauswerfen, obwohl London bislang Beweise im mysteriösen Fall um einen Ex-Doppelagenten schuldig blieb. Und die USA verhängen weitere Sanktionen. Quasi als Vergeltung für die mutmaßliche russische Einflussnahme auf die US-Wahl, obwohl auch hier eine Spur in den Kremls nicht belegt ist.

Die Eskalation ist brandgefährlich. Fast drei Jahrzehnte nach Fall des Eisernen Vorhangs haben zu viele Akteure ein Interesse an einer Rückkehr zum Kalten Krieg. US-Präsident Donald Trump war bislang kein Freund einer Dämonisierung Putins. Er muss jetzt darauf drängen, dass der Westen verbal abrüstet.